Als Professor Müller-Armack, Staatssekretir im Landeswirtschaftsministerium, letzte Woche aus Brüssel nach Bonn zurückgekehrt war, stellte er sich frohen Mutes der Presse. Anderntags las man mit Befriedigung, daß sich die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes über die Freihandelszone geeinigt hätten. Wenige Tage danach aber forderte Frankreichs Außenminister Couve de Murville vor dem Europarat in Straßburg weitere Verhandlungen und befürwortete eine schrittweise Verwirklichung der Freihandelszone.

Was trifft nun zu? Wie man aus Brüssel erfährt, wird weder die eine noch die andere Äußerung dem Zwielicht von Diplomatie und wirtschaftlichen Interessen gerecht, in dem über die Freihandelszone debattiert zu werden pflegt, Frankreich, hat sich mit seinen fünf Partnern im Gemeinsimen Markt über die Bedingungen geeinigt, unter denen sich die sechs Länder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit einem provisorischen Abkommen einverstanden erklären. Diese Vereinbarung soll verhindern, daß elf andere europäische Länder Anfang 1959 durch den Gemeinsamen Markt benachteiligt werden. Zur Unterschrift unter den endgültigen Vertrag, über die Freihandelszone hat sich dagegen noch kein Land verpflichtet. Sein Text steht noch gar nicht fest, sondern soll erst gegen Ende Oktober von den 17 Ländern im Verband der OEEC in Paris näher umrissen werden. Vgl. "Freihandelszone made in Brüssel" im Wirtschaftsteil.) J.S.