Von Georg Kessel

Das ist nicht nur für Fachleute bestimmt: Statistisches Jahrbuch 1958; herausgegeben vom Statistischen Bundesamt; Verlag Kohlhammer, Stuttgart; 32,– DM.

Es ist wie immer: ein stattlicher Band – und dabei doch, mit 538 Seiten Hauptteil plus 176 Seiten mit Internationalen Übersichten, nicht gerechnet Vorbemerkungen, Quellennachweis und Index – diesmal etwas dünner als im Vorjahre – trotz der Hereinnahme neuer Sachgebiete und neuester Erhebungen (etwa Wohnungsstatistik 1956/57, Handwerkszählung 1956, erweiterte Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung). Weil man nämlich an vielen Stellen gestrafft hat: "nach Möglichkeit wurden ältere Ergebnisse nur gekürzt wiedergegeben."

Dagegen wird von den meisten Benutzern des Buches – nämlich solchen, denen es mehr auf die Ergebnisse der Statistik als aufs letzte Detail ankommt – bestimmt nichts einzuwenden sein. Wer nicht bloß den letzten Stand (und dazu ein paar Vergleichszahlen aus früheren Jahren) wissen will, wird ohnedies die Quellen zu Rate ziehen müssen. Und wenn auch unser "Statistisches Jahrbuch" bekannt und berühmt für die Vielseitigkeit und Fülle des Gebotenen ist, so liegt in dem Bestreben nach Vollständigkeit ja doch wieder die Gefahr, alle Fakten, über die statistische Angaben vorhanden sind, als gleichermaßen wichtig anzusehen – anstatt das Material "schwerpunktmäßig" zu gruppieren...

Wird nicht sinngemäß gegliedert, so legt der Nichtfachmann, der sich schnell über irgendwelche Grund-Tatbestände orientieren will, das Buch enttäuscht aus der Hand, mit dem Urteil: er sei beim Suchen zwar auf viele kuriose und einige skurrile Dinge gestoßen, habe aber das nicht gefunden, worauf es ihm ankam.

Falls es zu derartigen Fehlurteilen kommen sollte, so würde die Schuld hierfür in erster Linie beim Index liegen – genauer gesagt, daran, daß es den Herren und Damen, die das Sachregister aufzustellen hatten, an produktiver Phantasie gebrach: mit dem Ergebnis, daß sie nur die Terminologie der Tabellenköpfe gelten ließen, anstatt von den Worten (oder Begriffen) der Umgangssprache auszugehen und den Zahlensucher durch Hinweise an den Stoff heranzuführen.

Dafür ein Beispiel. Nehmen wir an, ich möchte Genaueres über die Berufsgliederung in der Bundesrepublik wissen: etwa, wie sich die Bevölkerung auf Landwirtschaft, Industrie, sonstige gewerbliche Tätigkeit und "alles Übrige" verteilt (und: was ich mir dabei im einzelnen unter diesem – Restbestand "alles Übrige" überhaupt vorzustellen habe...) Wer von uns – Hand aufs Herz! – würde in diesem Falle gleich die richtige Rubrik mit Hilfe der systematischen Inhaltsübersicht aufschlagen, nämlich: "Erwerbspersonen, nach Wirtschaftsabteilungen und Stellung im Beruf", und so die Tabelle auf Seite 30 der "Internationalen Übersichten" finden?