Rudolf Höß, SS – Obersturmbannführer und Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz, ist als millionenfacher Mörder in die Geschichte unseres Jahrhunderts eingegangen. Er ist der Mann, der kühlen Sinnes als stets "pflichtbewußtes" und willfähriges Werkzeug seiner braunen Herren immer neue, "technisch" verbesserte Vernichtungsmethoden ersann. Unter seiner Leitung wurde der Massenmord perfektioniert.

Höß, im März 1946 in der Nähe von Flensburg von der britischen Militärpolizei verhaftet, trat im Nürnberger Prozeß als Zeuge auf und wurde wenig später an Polen ausgeliefert. In einem während langer Untersuchungszeit sorgfältig vorbereiteten Prozeß verurteilte das polnische Oberste Volksgericht den Angeklagten am 2. April 1947 zum Tode. Das Urteil wurde 14 Tage später in Auschwitz vollstreckt.

Bei den Verhören, die vorwiegend in Krakau stattfanden, erwies sich Höß als ein überraschend mitteilsamer Untersuchungsgefangener. Mit großer Gewissenhaftigkeit beantwortete er alle Fragen – wobei ihm sein gutes, auch die Fülle der Details genau registrierendes Gedächtnis zu Hilfe kam. Hier, in Krakau, war es auch, daß Höß in seiner Zelle auf mehreren hundert Blättern eine Autobiographie niederschrieb, die in ihrer minutiösen Genauigkeit und ihrer durch einen starken Mitteilungsdrang geprägten Offenheit ein besonders aufschlußreiches Dokument darstellt. Diese aus freiem Willen entstandene Biographie überdeckt jenes allzu einfache Klischee vom Massenmörder als der brutalen "Bestie in Menschengestalt". Rudolf Höß war kein bluttriefender Henker, kein verbrecherischer Wüstling – er war etwas viel Schlimmeres: er war der nüchterne, ruhige und beflissene Manager des Massenmordes.

Die biographischen Aufzeichnungen aus der Krakauer Untersuchungshaft sind im Jahre 1951 und dann noch einmal 1956 in Polen erschienen. Die deutsche Ausgabe wird in einigen Wochen als eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte in München unter dem Titel "Der Kommandant in Auschwitz" bei der Deutschen Verlagsanstalt erscheinen. Ein Vergleich der Kopie mit dem Original (das sich im Besitz des polnischen Justizministeriums befindet) sowie sehr sorgfältige Handschriftenproben beseitigten jeden Zweifel in der Authenzität der Aufzeichnungen. Die ZEIT ist in der Lage, in drei Fortsetzungen die wichtigsten Abschnitte aus dieser Autobiographie von Rudolf Höß zu veröffentlichen.