Das alles klingt sehr nach Abstraktion und Tendenz; in Wahrheit aber sind die Situationen in diesen drei Stücken so grotesk, so ganz auf Witz und Parodie gestellt, daß nur ein sehr geschultes Ohr die tiefere Absicht des Autors heraushören und die Konturen einer gar nicht amüsanten Welt gewahren wird, in der es dunkler und dunkler wird: Die Zeit schrumpft ein, violette Fenster verbergen das Licht, am Ende sind die Personen, ratlos und von Gelächter erschöpft, mit sich allein, Leichen liegen gehäuft auf der Bühne, Ort und Zeit verwirren sich: ist es Frühling, Herbst?

Übermütige Spiele enden im Dunkel der Nachdenklichkeit; die groteske Szenerie eines Ronald Searle bestimmt das Geschehen. Die Herren Asbach, Bergassessor Dietrich und sein Bruder Abel, der beim Quartettgesang vor Rührung stirbt, beides Stahlmagnaten, der skrupellose Präsident, Herr von Ruhr, ein Großkaufmann zu Pferde, Frau Sartorius, eine Kokette inmitten vieler Jugenden, Colin, der Tennis-Champion und der anonyme Uhrenvertreter... sie alle könnten aus dem Bilderbuch des großen englischen Karikaturisten sein.

Zu ihnen gesellen sich, als Lieblingsfiguren des Verfassers, die trefflichen Künstler, ein Maler Adrian, in dem man unschwer ein Porträt des Autors selber erkennt, ein Hausknecht namens Philip und zwei rüstige Glaser, gewerkschaftlich orientiert, aber auch Schopenhauer-Leser und erprobte Kenner Lamartines!

Man sieht, es geht ein wenig durcheinander, und eben das ist die Absicht Hildesheimers, der, allen gesellschaftskritischen Intentionen zum Trotz, mit seinen Stücken zunächst einmal dem reinen Spiel seine Würde zurückgeben will, einem Spiel, das nicht verleugnet, Spiel zu sein, einem Drama, in dem es weder auf Expositionen noch auf psychologische Stimmigkeiten ankommt, einer Reihe von Akten, in denen sich der Autor (wie es ihm sonst nur im Hörspiel gestattet ist) frei entfalten und eine Zauberkette jener witzig-hintergründigen Dialoge schaffen kann, die, losgelöst von aller Verpflichtung, etwas zur Entwicklung der "Handlung" oder des "Charakters" beizutragen, der Skizzierung einer einzigen, nur dem Gesetz künstlerischer Ergiebigkeit unterworfenen Situation dienen.

Gibt es eine andere Möglichkeit, um dem Drama wieder poetische Eleganz, stilistische Distinktion und phantasievolle Aktualität zu geben?