Eine kleine, aber glückliche Zeche hat jetzt ihren Abschluß für 1957 vorgelegt: die zur Gruppe Thyssen-Bornemisza gehörende Bergwerksgesellschaft Walsum mbH, Walsum/Niederrhein. Sie gehört nach Schichtleistung und Rentabilität zu den positiven Außenseitern des Ruhrreviers, und dieser Eindruck verstärkt sich nach den Äußerungen des Vorstandes: "Unsere Gesellschaft ist durchaus in der Lage, mit den gegenwärtigen Verhältnissen fertig zu werden." Walsum hat bisher keine Feierschichten eingelegt, obwohl gerade hier mit ausschließlich Gasflammkohlenförderung der Absatz erheblich ins Stocken geraten ist. Die Gesellschaft hat jetzt eine Förderung von 38,7 Tagen auf Halde liegen; das ist beträchtlich mehr als im Ruhrdurchschnitt. Feierschichten sind indessen nach Meinung des Unternehmens nicht die Lösung des Problems; sie seien weder von der Rentabilität her noch aus Liquiditätsgründen lohnend. So hätten sich Aufsichtsrat und Vorstand verpflichtet gefühlt, über diese Zeit hinweg andere Möglichkeiten zu schaffen.

Zunächst einmal ist Walsum zu einer drastischen Senkung der Kohlenförderung übergegangen. 500 Bergleute, die seit Anfang des Jahres der Zeche den Rücken gekehrt haben, sind nicht ersetzt worden. Trotzdem rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Anwachsen der Halden von jetzt 340 000 auf 540 000 t bis Mitte nächsten Jahres. Aber es besteht – und auch darin unterscheidet sich Walsum von anderen Zechen des Reviers – gleichzeitig ein genauer Plan, wie die Halden abzubauen sind. Mitte 1959 nimmt die Gesellschaft einen 150 000 kW-Block in Betrieb. Damit soll der Prozeß der Aufhaldung zum Stillstand kommen, und – was genau so wichtig ist – die nicht verkauften Kohlen werden in dem neuen Kraftwerk verfeuert, so daß Walsum seine Halden in zwei Jahren abgebaut haben wird. Bis September 1960 wird noch ein weiterer 150 MW Block installiert sein.

Bei diesem Plan haben nicht nur die gegenwärtigen Absatzschwierigkeiten Pate gestanden. Er ist vor allem auch Ausdruck der langfristigen Geschäftspolitik dieser ertragstarken Zeche, der es in erster Linie darauf ankommt, den Absitz ihrer schwer marktgängigen Kohlensorten auch in Zukunft zu sichern. So hält denn auch die Unternehmensleitung eine durch den Ausbau der Kraftwerkskapazität erhöhte Krisenfestigkeit der geförderten Kohle für vorrangig. Der Neuaufschluß des Feldes Neu-Eversael ist – wie der Vorstand betont – zwar nicht aufgegeben, aber spürbar gestreckt worden.

Abgesehen davon, daß die Gesellschaft die in Strom umgewandelte Kohle nicht zu Listenpreisen verkaufen muß, sondern die Veredlungsgewinne nicht ungern mitnehmen kann – ist dann auch der gemeinsame Ruhrkohlenverkauf für dieses Unternehmen nicht mehr so wichtig wie heute. Das könnte sich bereits bei den bevorstehenden Verhandlungen, ob und in welcher Form die Verkaufsgesellschaften nach dem 1. April weiterbestehen werden, niederschlagen. Der Wilsumvorstand tritt nachdrücklich für eine größere Preiselastizität bei der Kohle ein. Der in Bonn vereinbarte 10prozentige Preisnachlaß auf den Mehrverbrauch – so betonte das Mitglied der Geschäftsführung Bergassessor Dr. Barking in einer Pressekonferenz – könne keinen Fluid hinter dem Ofen hervorlocken und sei lediglich als Bekundung des guten Willens zu werten. Hinsichtlich der Ruhrkohlenverkaufsgesellschaften drückt in Walsum allerdings der Schuh auch noch in der Frage des Beschäftigungsausgleich der Zechen untereinander, der erstmalig nach der Neugründung des Verkaufs angewendet wird. Walsum fühlt sich als "anerkannte Entwicklungszeche" nicht entsprechend berücksichtigt. Diese Zeche ist nur zu 74 v. H. – gegenüber 84 v. H. im Ruhrdurchschnitt – beschäftigt. Kurioserweise bekommt demgemäß die Bergwerksgesellschaft Walsum – die ihre Kohle auf Grund ihrer Kostenlage unbedingt billiger verkaufen könnte – Ausgleichszahlungen aus dem gemeinsamen Ruhrtopf, der von den besser beschäftigten Zechen ohne Rücksicht auf deren Ertragslage gefüllt wird. Das fand auch der Vorstand komisch.

Walsum hat im vergangenen Jahr bei 2,75 Mill. t Kohlenförderung und 648 Mill. kWh Stromerzeugung einen Fremdumsatz von 152 (121) Mill. DM erzielt. Auf das Stammkapital von 30 Mill. DM werden unverändert – und weiterhin im Bergbau unerreicht – 12 (12) v. H. Dividende ausgeschüttet. Nmn.