Hinter verschlossenen Türen befaßte sich vor kurzem eine Expertenkonferenz des Institut! für Weltwirtschaft und Außenhandel bei der sowjetischen Akademie der Wissenschaften mit der Frage der deutschen Wiedervereinigung. Nach der Darstellung des Moskauer Korrespondenten der Süddeutschen Zeitung stimmten sowjetische Militärpolitiker dabei in drei Punkten überein: erstens, daß die Wiedervereinigung für die Amerikaner kein Problem von lebenswichtigem Interesse sei; zweitens, daß die westdeutsche Aufrüstung in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden solle und deshalb kein verlockendes Handelsobjekt sei; drittens‚ daß auch ein militärisch neutralisiertes Gesamtdeutschland das Mächtegleichgewicht empfindlich stören könne, wenn es sich – was zu erwarten wäre – "in seiner geistigen und wirtschaftlichen Potenz" dem Westen zuneige.

Aus dieser fragwürdigen Beurteilung der Lage erklärt sich wohl auch der enttäuschende Verlauf des Gespräches zwischen dem Bundeskanzler und dem sowjetischen Botschafter. Brüsk hat Smimow es sogar abgelehnt, Dr. Adenauers Beschwerden über die trostlosen Zustände in der Zone entgegenzunehmen. DZ