Wir sind bei Meyers eingeladen", sagte meine Frau, "Frau Meyer hat angerufen. Kleine Abendgesellschaft mit netten Leuten – am Sonnabend."

Ich erinnerte mich, daß Herr Meyer etwas von Moselweinen versteht und freute mich. "Vielleicht kommen auch Hömmelstedts", sagte ich, "weißt du, der kleine Hömmelstedt, der so Schöll Mozart spielt."

"Das letztemal waren auch Leonbergs da", sagte meine Frau. "Niemand kann so hübsch über England plaudern, wie der alte Leonberg." "Kunststück, der fährt ja alle paar Wochen hin", antwortete ich, weil ich ein bißchen neidisch war – und freute mich auch auf den alten Leonberg.

"Erzähl’ doch mal von deinen Ameisen, am Sonnabend. Gestern habe ich wieder eine in meinem Nähkästchen gefunden – auf eine Stecknadel gespießt, pfui Teufel! Aber schließlich ist es dein Hobby, und manche Professoren könnten von dir sicher noch etwas lernen." Ich war ganz glücklich, weil meine Frau eine so hohe Meinung von mir hat. Ich bekam so eine Art inneren Halt für die Abendgesellschaft. Vielleicht würde ich bei der Unterhaltung gar nicht so schlecht abschneiden.

Wir haben nicht über Ameisen gesprochen – letzten Sonnabend bei Meyers. Herr Hömmelstedt hat auch nicht Mozart gespielt, und die Geschichten von englischen Landgasthäusern sind nicht erzählt worden.

Aber Farbaufnahmen haben wir gesehen – 172 Stück – an die Wand projiziert durch ein Diaskop – mit Fernbedienung. Frau Meyer bediente.

Herr Meyer und Auto auf dem Großglockner ... Frau Meyer taubenfütternd in Venedig ("Venedig soll ja langsam versinken")... Christa Meyer in Florenz, vor den Uffizien ("Firenze ist einfach toll")... Emil, der Sohn, vor einem Lançia in Mailand ("der Junge ist ganz verrückt auf Autos")... 172 mal Meyers in Italien.