Das Emdener Projekt des Schweizer Migros-Mannes Duttweiler kommt nun doch in Fahrt – nach mannigfachen Verzögerungen, über die viel geredet und mitunter auch gespottet worden ist, sogar in Versform wie folgt:

Die Friesen von heute fahren

zu beiden Seiten der Ems,

mal drücken sie mehr auf das Gaspedal,

mal treten sie mehr auf die Brems’...

Gebremst worden ist zuletzt sehr deutlich von Bonn aus, als das Bundeskabinett sich endgültig weigerte, eine Rückbürgschaft von 50 v. H. für die von der-Frisia AG aufzunehmenden 22 Mill. DM Aufbaukredite (zusätzlich zu der 80prozentigen Bürgschaft des Landes Niedersachsen) zu übernehmen. Trotz dieser Weigerung, von der es jetzt heißt, daß sie "nicht überraschend" gekommen sei, scheint die Finanzierung des Projektes Emden gesichert zu sein, und zwar so, daß Aktionäre gefunden sind, die (mit Duttweiler zusammen) 50 Mill. Gesellschaftskapital aufbringen, während 22 Mill. DM Darlehen, zu 80 v. H. also verbürgt durch das Land Niedersachsen, fest zugesagt sein sollen. Endgültiges, auch über die Aufteilung des Stammkapitals, wird man wohl hören, wenn am 30. Oktober die Hauptversammlung stattfindet, bei der die Kapitalerhöhung (von bisher 500 000 DM) auf 50 Mill. DM zu beschließen ist.

Nun läßt sich mit 50 Mill. DM – die 22 Mill. DM Darlehen werden ja voll als Betriebskapital gebraucht, wenn man die Tonne Rohöl mit 100 DM rechnet und von drei Monaten Durchsatzzeit ausgeht – keine große Raffinerie’ bauen. Ein Betrag von 60 DM je t Rohöl Jahresdurchsatz ist das mindeste, was die Anlagen einer Raffinerie heute kosten, und dieser Betrag erhöht sich auf 80 DM, vielleicht sogar 90 DM, falls man Spitzenqualitäten – sei es an hochwertigen Benzinen, sei es an Gasprodukten für die petrochemische Weiterverarbeitung – ausbringen will. Dies zu tun, ist wohl kaum Duttweilers besonderer Ehrgeiz. Man weiß ja, daß sein ursprünglicher Plan, für das eigene Zapfstellennetz in der Schweiz die Versorgung mit Kraftstoff zu sichern und außerdem noch ein wenig im deutschen Treibstoff-Karpfenteich zu fischen, mittlerweile erheblich modifiziert worden ist: in der Richtung nämlich, daß nun das Schwer-, gewicht beim Heizölgeschäft liegen soll, mit Vergaser und später (nach Normalisierung des Marktes) vielleicht auf Dieseltreibstoff als dem Nebengeschäft... Was ja auch erklärt, daß sich im Hause Prof. Erhards, wo man ohnedies der Heizöl-Expansion gegenüber recht reserviert ist, die anfangs vorhandene Freude an der Förderung eines Außenseiters im Treibstoffgeschäft sehr schnell in Gleichgültigkeit gewandelt hat.