Zu starke Konkurrenz der Erholungsheime

G. Z. Karlsruhe, im Oktober

Im Schwarzwald steiben die Hotels. Und das, obgleich im Schwarzwald und am Bodensee wieder mehr Besucher waren als im vorigen Jahr, während andere deutsche Erholungsgebiete in dem vergangenem Sommer mit der Saison nicht zufrieden waren. Mit Sorge beobachten die Organisationen des Fremdenverkehrs, wie von den alten Schwarzwaldhotels eines nach dem anderen "zweckentfremdet" wird.

Unter Zweckentfremdung verstehen die Fachleute die Übernahme von Hotelbetrieben durch Sozialversicherungen, sozial zweckbestimmte Körperschaften oder Sozialeinrichtungen großer Unternehmen. So sind in der letzten Zeit das Kurhaus Herrenwies, der Gunzenbachhof, das Hotel National in Baden-Baden, das neue Kurhaus Alberthöhe in Ottenhofen und das Kurhaus Schindelpeter im Bühlertal – um nur einige zu nennen – als Erholungsheime für Sozialversicherte vermietet worden. Auch für das Hotel Burggraf auf dem Schauinsland wird ein neuer Interessent gesucht. Bis jetzt meldete sich nicht etwa ein Hotelier, sondern die Stadt Pforzheim, die hier ein Jugendheim errichten will.

Der Grund für dieses Hotelsterben ist in erster Linie in der starken steuerlichen Belastung dieser Betriebe zu suchen. Hotels und Kurhäuser von Rang und Namen fallen nach jahrelangem stillem Ringen dieser Entwicklung zum Opfer. Sie stehen in einem aussichtslosen Kampf gegen kapitalstarke, wirtschaftlich anders arbeitende, steuerbegünstigt kalkulierende Konkurrenten.

Einer der prominentesten Baden-Badener Hoteliers meint, die Ursachen, daß die Hotels sich nicht mehr rentieren, liege darin, daß sie trotz des stark ansteigenden Fremdenverkehrs weniger besucht würden. Die Urlaubsgäste wohnten in Erholungsheimen. Die Kosten für die Betriebsführung seien jedoch seit 1950 ständig gestiegen. Die mit dem steigenden Lebensstandard erhöhten Ansprüche und der durch die Motorisierung bedingte kurze, schnell wechselnde Besuch seien für das Hotelgewerbe zusätzlich belastend.

Daß diese Alarmrufe aus dem Schwarzwald nicht übertrieben sind, mußte auch Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Veit zugeben. Er meinte, es sei nicht zu leugnen, daß es so etwas wie ein Hotelsterben gibt. Oft trüge heute die Fassade, und selbst gut geführte und ausreichend belegte Hotels hätten große finanzielle Schwierigkeiten. Sie seien jedoch nicht durch staatliche Lenkung zu lösen. Es handle sich vielmehr um eine typische Unternehmeraufgabe. "Doch wird der Staat helfen, wo er nur kann." Der krisenempfindliche Reiseverkehr unterliege einem strukturellen Wandel, der nicht nur vom Wetter, sondern auch von den unberechenbaren Reaktionen der Menschen abhängig sei. Niemand wisse heute, wohin die Urlauber in den nächsten Jahren reisen würden.