DIE ZEIT

Luftveränderung in Frankreich

In der französischen Politik hat sich über Nacht jene beunruhigende Unbestimmtheit verloren, die vielen im Inland wie im Ausland große Sorgen bereitet hat.

Kühne Prophezeiungen

Für die Deutsche Partei im allgemeinen und ihren Bundesvorsitzenden Heinrich Hellwege, Ministerpräsident in Niedersachsen, im besonderen hat diese Woche ausgesprochen schwarz begonnen.

Der doppelte Konrad

Die SPD hat es nicht leicht. Seit den Tagen des Hauptmanns von Köpenick war für sie das Bekenntnis zum Zivilisten oberstes Gebot.

Staatsbesuch in London

Der Besuch des Bundespräsidenten in London ist mehr gewesen als eine jener prunkvollen Auslandvisiten, die zum Handwerk aller Staatsoberhäupter gehören: Er war Symptom und Symbol, einer tiefgreifenden Wandlung, die sich während der letzten Jahre unmerklich im deutsch-englischen Verhältnis angebahnt hat.

Auszug aus Osteuropa

Im Frühjahr dieses Jahres sagte mir ein kluger alter Politiker in Bagdad: "Der Ostblock hat noch ganz andere Möglichkeiten als Waffenlieferungen, um das Feuer im Nahen Osten zu schüren – weit unverfänglichere und friedfertigere.

Krieg um die Hörsäle

Zehn Jahre nach jenem Treffen auf dem Rittersturzbei Koblenz, bei dem westdeutsche Länderchefs über die Genehmigung eines Parlamentarischen Rates durch die drei Militärgouverneure berieten, empfing der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Dr.

Poet der Schattenseite

Man muß dieses Gesicht ein wenig länger betrachten, damit der erste Eindruck, der auf Eitelkeit und Zynismus schließen läßt, sich verflüchtigt.

Guten Tag, kann ich Sie mal sprechen ...

Er kam am letzten Sonnabend mittags gegen zwölf. Er klingelte und fragte mit der Verbindlichkeit, die den Vertretern eigen ist, ob er mich ein paar Minuten sprechen könne.

ZEITSPIEGEL

"Zu den Pflichten von Bundespräsident Heuss gehört es, bei Diplomaten-Jagden als Gastgeber aufzutreten. Dieses sind in Deutschland geradezu rituale Veranstaltungen, zu denen man sich sehr sorgfältig und sehr zünftig kleidet.

Tausch der Gefangenen

Der Gefangenenaustausch zwischen Frankreich und der algerischen Exil-Regierung ist nach de Gaulles Wahlinstruktionen an General Salan ein zweites Signal dafür, daß sich in der französischen Algerien-Politik etwas geändert hat.

Burgiba brach mit Nasser

Auf die Frage, was er von der Vorstellung halte, die arabischen Völkerschaften könnten sich eines Tages unter einem Fez zusammenfinden, gab der sagenumwobene Lawrence von Arabien einmal die bündige Antwort: "Das ist die Vorstellung eines Irren.

Dem General zum Gruß

Eine ungewöhnliche militärische Laufbahn war dem nun 80jährigen Generaloberst Alexander v. Falkenhausen vom Schicksal zugemessen.

Bayern: Der erfolgreiche Schutzengel

Schönstes Geschenk, das ein Schutzengel dem Missetäter geben kann, ist die Verjährung. Sie ist eine seltene Gabe, wenn auch so selten nicht, wie unsere tüchtige Polizei es wahrhaben möchte.

Sehnsucht nach der Kaiserlichen Post

Sagen Sie mal", so meditierte am 1. Oktober der Lokalkommentator der Tageszeitung "Offenbach Post", "warum haben unsere Herren Väter eigentlich den Kaiser fortgejagt? Wer erzählt uns immer: früher in der Monarchie sei der Mensch bei uns nichts als ein Untertan gewesen, über dem hoch oben eine Beamtenschaft mit überzüchtetem Selbstbewußtsein saß! Verwöhnt haben sie ihn, den Untertan, verwöhnt und auf den Händen getragen! Sehen wir uns doch nur die Post mal an.

Baden-Württemberg: Klarer und teurer

Wasser ist nicht gleich Wasser. – die Stuttgarter kennen den Unterschied, seit sie letzte Woche an die Bodensee-Fernwasserversorgung angeschlossen wurden, die mit 157 Kilometern dicker Leitungsrohre die größte Pipeline Deutschlands ist.

Hamburg: Unter der roten Laterne...

Es gibt drei versteckte Straßen in Hamburg, über die man nicht gern spricht. Zwei von ihnen liegen auf St. Pauli, und eine ist nicht weit vom Jungfemstieg entfernt.

Bremen: Bremischer Oktober

Einmal im Jahr sind die Bremer, so wollen es die Fremdenverkehrsprospekte weismachen, "nicht wiederzuerkennen": Während des traditionellen Freimarktes in der zweiten Oktoberhälfte.

Wenn Gelehrte reisen

Sie sind vorzügliche und genaue Beobachter, die wissenschaftlichen Spezialisten, doch sie beobachten nur die Dinge, die für sie wesentlich sind.

Neutralitäts-Idylle

Der Romancier Burkhard Nadolny gehört nicht zu den betriebsamen Literaten. Ohne falsche Effekthascherei lebt er seit Jahren zurückgezogen, um seine schriftstellerischen Pläne zu verwirklichen.

Der Tod als Lotosblume

Wie eine Formel, vergleichbar etwa mit unseren frühmittelalterlichen Zaubersprüchen, muten diese Verse an, aber sie sind in ihrem Kern Jahrtausende älter.

Der verfälschte Osborne

An allererster Stelle ist übersetzen eine Frage des philologischen Handwerks

"Jungdo" und sein Hochmeister

Im Jahre 1950 starb in Gütersloh fast unbeachtet ein Mann, der in der Weimarer Republik einst zu den umstrittensten Politikern gehört hatte Artur Mahraun, einstiger Hochmeister jenes "Jungdeutschen Ordens", der im abkürzungsfreudigen Volksmund bald salopp zum "Jungdo" geworden war und dessen unter dem alten Deutschristerkreuz einhermarschierende, uniformierte Scharen damals die politische Bühne belebten.

Zeit-Fragen

Man sagt gerne, ein Kunstwerk sei vonunschätzbarem Wert. Damit meint man aber eigentlich nicht, daß der künstlerische, geistige, geschichtliche, soziologische Wert eines Bildes oder einer Plastik nicht abzuschätzen sei.

Die schwere Kunst des Leichten

Hugo von Hofmannsthal war in seinen reifen Jahren ein unzeitgemäßer Dichter. Als der Expressionismus modern war, schrieb er Komödien aus der österreichischen Adelswelt.

Nach dem Film das Theaterstück

Es wird oft bestritten, daß der eigentliche Bazillus, der die periodisch wiederkehrenden Theaterkrisen hervorruft, "Produktionsschwäche" heiße.

ZEITMOSAIK

Seit neuestem gelten in der DDR auch Missionszeitschriften als Schmutzliteratur. Empfänger in Ostberlin fanden an ihrer Stelle im Paket eine Mitteilung vor, die sie ordnungsgemäß aufklärte: "Werter Postkunde! Der an Sie gerichteten Sendung wurde eine Broschüre entnommen.

Frauenliebe auf japanisch

"Fünf Moderne Nô-Spiele" heißen die seitsamen Stücke, Yukio Mishima ihr Verfasser. Er ist 33 Jahre alt und ein Vertreter jenes Japan, das am Schock des verlorenen Krieges leidet.

Sprach Allah türkisch?

Der Koran, die "Bibel" des Islam, darf nicht ins Türkische übersetzt werden. So hat es jetzt der Beauftragte für Glaubensangelegenheiten beim Amt des Ministerpräsidenten der Türkei verfügt.

Vor schlechtem Wetter fliehen

Am 13. Dezember beginnt eine erfolgreiche Hamburger "Flugreisen-Gesellschaft" wieder ihre wöchentlichen Flüge mit Ferienreisenden nach Ägypten via Athen (17 Tage für 888 Mark ab Stuttgart).

Wunder-Tauben

Da sitzt man so und rührt in seinem Capucino. Die Sonne scheint schön warm auf das knusprige Gebäck, und es ist eine Lust, zu leben.

Schlafwagen morgen

Zwanzig neue, raffiniert ausgeklügelte Schlafwagen hat die "Deutsche Schlaf- und Speisewagen-Gesellschaft" (DSG) in Auftrag gegeben.

Im Schwarzwald sterben Hotels

Im Schwarzwald steiben die Hotels. Und das, obgleich im Schwarzwald und am Bodensee wieder mehr Besucher waren als im vorigen Jahr, während andere deutsche Erholungsgebiete in dem vergangenem Sommer mit der Saison nicht zufrieden waren.

Dalmatinische Klippen

Ob Tito die Fremden aus "kapitalistischen" Staaten nun gern sieht oder nicht – er schätzt ihre harten Devisen. Dem schlauen Außenseiter in Belgrad sind Pfunde und D-Mark in der Hand lieber als Grübeleien über die ideologische Schädlichkeit westlicher Touristen.

Und jetzt die "Textilhalden"

Für die Entliberalisierung der Kohleneinfuhren gab es gewichtige Gründe, die nicht mit leichter Hand beiseite zu schieben waren.

Detroit ist unerschütterlich

Es gehört gegenwärtig für die Amerikaner zum guten Ton, sich über die Automobile aus Detroit lustig zu machen. Weite Kreise scheinen tatsächlich von den Chrom-Sauriern mit "eingebauter Veraltung" genug zu haben und das Automobil sieht mehr als ein Weg zum sozialen Prestige aufzufassen, sondern vor allem als ein möglichst praktisches Transportmittel.

Ulbricht kauft alles

Weil wir es nicht können, will jetzt Herr Ulbricht das Problem unserer Kohlenhalden und der Feierschichten im Ruhrbergbau lösen.

Schweigen ist hier falsch am Platze

Der Verfasser des nachstehenden Artikels, Dr. Walter Schmidt, ist in den letzten Jahren über den engeren Kreis seiner Fachgenossen hinaus vor allem durch seine maßgebende Beteiligung an der Liquidation der IG-Farben bekanntgeworden.

Kreditspritze für Frankreich

Die Bank von Frankreich hat dem erheblichen Druck der Wirtschaft, ihre Diskont- und Kreditpolitik wieder entschlossen in den Dienst der angeblich dringenden Wiederbelebung der Wirtschaft zu stellen, nur vorsichtig nachgegeben.

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