pk, Hannover, im Oktober 1958

Für die Deutsche Partei im allgemeinen und ihren Bundesvorsitzenden Heinrich Hellwege, Ministerpräsident in Niedersachsen, im besonderen hat diese Woche ausgesprochen schwarz begonnen. Eben war man noch in Bonn so wacker beisammen gewesen, hatte alle "Kombinationen" über Übertritte und Fusionen entrüstet zurückgewiesen und die ungeteilte Selbständigkeit der Deutschen Partei betont. Da senkte sich am Montag über Hannover eine dunkle Wolke. Der "große Bruder" CDU gab bekannt, auch er habe sich am Wochenende mit der Situation befaßt. Der niedersächsische Zentralvorstand der Christlichen Demokraten sei zu der Überzeugung gekommen, daß die Chancen für die Niedersachsenwahl im Frühjahr (nach den Resultaten von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein) günstig zu beurteilen sind. Die CDU rechnet damit, daß sie die Regierung bilden wird. Und für diesen Fall habe sie bereits jetzt den CDU-Justizminister im gegenwärtigen Kabinett Hellwege, Dr. Werner Hofmeister zum künftigen niedersächsischen Ministerpräsidenten ausersehen.

Die landespolitisch interessierten Geschichtsschreiber zu Hannover verzeichnen es als Novum, daß der zukünftige Kabinettschef schon ein halbes Jahr vor dem Ende der Dienstzeit des amtierenden "genannt" wird, noch dazu, wenn er dem Kabinett des gegenwärtigen Chefs angehört. Hellwege verfiel darob in tiefes Nachdenken, denr wenige Wochen zuvor hatte er zwei Erklärungen abgegeben: Die eine, daß er nie gegen die CDU regieren wolle. Die andere, daß er dem nächsten Kabinett entweder als Ministerpräsident oder gar nicht angehören werde.