Rund zwei Jahre nach dem Übergang der Aktienmajorität der Borsig AG, Berlin, von der jetzigen Rheinmetall Berlin AG auf die AG für Berg- und Hüttenbetriebe, Berlin-Salzgitter, kann das einzige namhafte Unternehmen der Schwerindustrie in Westberlin endlich als finanziell konsolidiert gelten. Der Wiederaufbau des Werkes nach sowjetischer und französischer Totaldemontage hatte jahrelang unter dem Kapitalmangel der Muttergesellschaft gelitten und 1956 bereits zu einer so hohen Überschuldung geführt, daß sich anläßlich der Privatisierung des Rheinmetall-Konzerns kein Interessent für Borsig fand. Aus der damaligen Notlösung, der Überführung in den bundeseigenen Salzgitter-Konzern, ist inzwischen nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen eine Konstruktion geworden, die nicht nur die Weiterbeschäftigung der auf über 5000 Mann gestiegenen Belegschaft sichert, sondern sich auch zum Vorteil für Mutter und Tochter auswirken dürfte.

In der erst jetzt bekanntgegebenen Bilanz zum 30. September 1957 belief sich das Bilanzvolumen bei einem AK von 25 Mill. DM auf fast 140 Mill. DM. Dem Anlagevermögen von 53,4 Mill. DM standen auf der Passivseite außer dem AK nur 2,7 Mill. Rücklagen und Rückstellungen gegenüber, während die gesamten Verbindlichkeiten last 111,5 Mill. DM ausmachten. Hatte sich bis einschl. 1954 ein bescheidener Gewinn von 0,2 Mill. DM summiert, so waren bis zum Bilanzstichtag 1957 durch den Aufbau und die Inbetriebnahme des Röhrenwerks, das zu den modernsten Anlagen seiner Art in Deutschland gehört, erneut Verluste von fast 7,0 Mill. DM entstanden.

Die nunmehr beendete Neuordnung begann mit der Aufstockung des AK um 10 auf 35 Mill. DM, wovon die Berliner Industriebank AG als Verwalterin des Berliner RP-Vermögens zunächst weitere 8,0 zu den bereits in ihrem Portefeuille liegenden 12 Mill. DM übernahm. Diese Gesamtbeteiligung von 20 Mill. DM hat der Salzgitter-Konzern inzwischen zu pari übernommen und ist damit Alleinaktionär von Borsig geworden. Ferner hat die Muttergesellschaft weitere 30 Mill. Kredite der Berliner Industriebank abgelöst und sich weiterhin verpflichtet, den Verlustvortrag von 6,9 Mill. DM bis zur Abschluß der Jahresbilanz 1957/58 zu tilgen. Schließlich wurde zwischen dem Salzgitterkonzern und Borsig "in Organschaftsvertrag abgeschlossen. Damit ist eine Periode beendet, die allein in dem nur neun Monate umfassenden Rumpfgeschäftsjahr 1957 einen Zinsmearaufwand von über 2,9 Mill. DM erfordert hatte.

Obwohl Borsig das breite Produktionsprogramm auch künftig zur Verfügung seines alten Kundenstammes hält, werden sich aus der Verbindung zu den übrigen Gesellschaften des Salzgitterkonzerns eine Reihe vorteilhafter Beziehungen entwickeln. U. a. ist ein kostensparender Austausch von monatlich 5000 t Siemens-Martin-Stahl von Borsig gegen die gleiche Menge Thomasstahl, aus Salzgitter angelaufen. Die für kleinere Dimensionen geeignete Borsig-Stahlformgießerei ist so leistungsfähig, daß sie den gesamten Bedarf des Konzerns befriedigen kann und damit die Konzernleitung zur Aufgabe ihres Plans bewogen hat, selbst eine solche Anlage zu errichten. G. G.