Von Paul Hiihnerleld

Der Romancier Burkhard Nadolny gehört nicht zu den betriebsamen Literaten. Ohne falsche Effekthascherei lebt er seit Jahren zurückgezogen, um seine schriftstellerischen Pläne zu verwirklichen. Ist es da verwunderlich, daß man den neuen Roman eines solchen Autors – es ist die erste größere Veröffentlichung seit dem "Konzert für Fledermäuse" aus dem Jahre 1952 – mit besonderem Interesse zur Hand nimmt und mit großen Hoffnungen liest?

Burkhard Nadolny: "Prinzessin Anthaja"; Wunderlich Verlag, Tübingen; 309 S., 14,80 DM.

Fern von der sogenannten "großen Welt" ist in Deutschland schon viel Gutes entstanden, vor allem, wenn der, der da fern lebt, einer wirklich großen Welt stets angehörte.

Die besten Voraussetzungen schienen also bei Nadolny gegeben – vielleicht liegt es daran, daß ich nach der Lektüre das Buch enttäuscht aus der Hand legte. Darf man nicht mehr viel erwarten?

Die Geschichte: Irgendwann in unserer Zeit ist die politische Weltlage so, daß die beiden großen Machtblöcke (von Nadolny Nord und Süd genannt) kriegerisch aneinandergeraten sind und sich – nach einem offenbar im ganzen unentschiedenen Ausgang – ohne Friedensschluß wieder getrennt haben. Der Krieg ist eingeschlafen. Von der nördlichen, der etwas böseren Macht, wird das Land der Messenier besetzt.

Messenien wäre, wenn wir die Phantasie des Autors in Realität umsetzen wollten, wohl am ehesten nach Griechenland zu verlegen. In Ithome, der Hauptstadt, gibt es noch eine Gesandtschaft der Südleute. Dem Chef dieser Gesandtschaft gelingt es eines Tages durch einen Trick (er läßt die Feinde glauben, die Messenier seien von einer ansteckenden Krankheit befallen), Messenien von der Besetzung zu befreien und die Prinzessin Anthaja, eine Enkelin, des einst regierenden messenischen Fürstenhauses, zur neuen Regentin auszurufen. Er selber heiratet die Prinzessin.