Der Verfasser des nachstehenden Artikels, Dr. Walter Schmidt, ist in den letzten Jahren über den engeren Kreis seiner Fachgenossen hinaus vor allem durch seine maßgebende Beteiligung an der Liquidation der IG-Farben bekanntgeworden. Anknüpfend an Diskussionen und Abstimmungsergebnisse der letzten Hauptversammlung der IG-Farben gibt unser Autor einige grundsätzliche Anregungen zum Depotstimmrecht, wobei er sich gegen die leider üblich gewordene "Taktik des Schweigens" wendet, die meist von den Vertretern der Banken, soweit sie mit der Wahrnehmung des Stimmrechts der dort deponierten Aktien beauftragt sind, geübt wird.

Auf der IG-Farben-Hauptversammlung, die Mitte September stattgefunden hat, stimmten bei einer Beteiligung von mehr als 70 v. H. des Grundkapitals etwa neun Zehntel der Aktionäre für die Anträge der Verwaltung; etwas mehr als 6 v. H. des Grundkapitals opponierten. Also ein eindeutiges Ergebnis der Hauptversammlung! Jedoch, war ihr Verlauf befriedigend?

Es ging um zwei Fragen:

1. die Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit des Wollheim-Abkommens und

2. die Aussicht der Liqui-Inhaber auf eine Barausschüttung.

Zu beiden Fragen hatten die Liquidatoren im Geschäftsbericht und in der Pressekonferenz, die der Hauptversammlung vorausging, ausführlich Stellung genommen. Auch allen Oppositionsrednern waren vor der Hauptversammlung mündlich von den Liquidatoren weitere Auskünfte erteilt worden – außer dem Aktionär Nold, der sich der Rücksprache entzog. Die Aufgliederung der Rückstellungen und die Aufdeckung stiller Reserven, die in der Hauptversammlung in allen Einzelheiten erfolgte, waren der Opposition mit der gleichen Ausführlichkeit vorher mitgeteilt worden.

Die Bilanz war daher nicht, wie eine maßgebliche Zeitung nach der Pressekonferenz schrieb, "undurchsichtig" geblieben, sondern wie bei jeder langwierigen Liquidation war die Zukunft undurchsichtig.