Auf den Aktienmärkten ist die stetig steigende Tendenz seit einiger Zeit vorüber. Man spricht von einer Konsolidierungspause. Was heißt das? Der Berufshandel und die wertpapiererfahrene Kundschaft überprüfen jetzt die Berechtigung der erreichten Kurse und nehmen dort Verkäufe vor, wo nach ihrer Meinung die Kurshöhe nicht gerechtfertigt ist. Nach einer langen Haussedauer wird hier und dort über das Ziel hinausgeschossen. Andererseits sucht man natürlich nach Aktien, die im Eifer der Geschäfte "übersehen" worden sind, in denen nach Ansicht der Fachleute aber noch Kursreserven stecken. Der eigentliche Wertpapiersparer sollte sich von diesen Korrekturen nicht beeindrucken lassen. Einen Verkauf von Aktien hat er nur dann in Erwägung zu ziehen, wenn es sich um ein Papier handelt, das in den letzten Monaten überdurchschnittlich gestiegen ist und diese Steigerungen weder durch die Geschäftsentwicklung des Unternehmens noch durch seine angesammelte Substanz gerechtfertigt werden können. Die kletternden Kurse gehen in solchen Fällen meist auf Aufkäufe zurück, die mit dem Ziel vorgenommen werden, bei der betreffenden Gesellschaft entscheidenden Einfluß zu erlangen. Hat der Aufkäufer einmal die Mehrheit in seinen Besitz gebracht, dann fällt der Kurs wie ein undicht gewordener Luftballon zusammen. Deshalb ist es besser, rechtzeitig zu verkaufen, auch wenn man nicht den höchst erreichbaren Kurs trifft. Seien Sie, meine verehrten Leser, lieber mit einem sicheren Gewinn zufrieden und lassen Sie der Spekulation die Möglichkeit, auch noch etwas zu verdienen. Sie trägt dann ein Risiko, das der eigentliche Wertpapiersparer – niemals übernehmen sollte.

In den vergangenen Monaten war es eigentlich immer richtig, die Kurssteigerungen seiner Papiere mit Geduld und Freude abzuwarten. Wie lohnend das "sture" Festhalten an einem Papier sein kann, hat kürzlich die Bayerische Vereinsbank am Beispiel ihrer eigenen Aktien vorgerechnet: in etwa 33/4 Jahren haben die Aktionäre allein durch Kursgewinne und Bezugsrechte etwa 80 v. H. des zum Erwerb der alten und jungen Aktien ausmachenden Betrages verdient. Rechnet man die Dividenden dieser Jahre hinzu, dann kommt man sogar auf etwa 95 v. H. Die oftmals belächelte belohnte "Treue der Aktionäre" braucht also kein hohles Schlagwort zu sein; hier ist sie eine Realität.

Aber das nur vorweg. Heute wollen wir uns, meine verehrten Leser, vielmehr darüber unterhalten, inwieweit der normale Bankkunde die gegenwärtigen Kursschwankungen ausnutzen kann, um Spekulationsgewinne zu erzielen. Zunächst allerdings eine Warnung: Erwarten Sie nicht, daß jede Rechnung aufgeht. An der Börse wird nicht geklingelt, wenn der höchste oder niedrigste Kurs erreicht ist. Wer geschickt ist, sehr viel Fingerspitzengefühl besitzt und vielleicht über kluge Informanten verfügt, kann in den Börsensälen auf diese Weise unter Umständen "kleine Brötchen" backen. Daß er auf diesem Wege reich werden wird, bezweifle ich allerdings.

Wo liegen die Schwierigkeiten? Einmal natürlich, das habe ich bereits gesagt, in der Auswahl des Zeitpunktes zum Kauf oder Verkauf des jeweiligen Papiers. Außerdem: wenn Sie ein Papier erwerben, dann muß es zunächst einmal 4 bis 8 Punkte (je nach Kurshöhe) steigen, ehe Sie selbst mit Gewinn wieder verkaufen können. Denn An- und Verkauf sind natürlich nicht umsonst.

Hier das Beispiel einer verfehlten Spekulation, denn der An- und Verkäufer hat letzten Endes zugesetzt:

Der Kunde hat also 4,30 DM bei diesem Geschäft zugesetzt. Die Spanne von 2 Punkten, um die der Kurs der Aktien gestiegen war, hat nicht ’ausgereicht, um die Unkosten zu decken.

Ehe wir jetzt auf die Spesen im einzelnen eingehen, noch ein Wort zur steuerlichen Seite: