Weil wir es nicht können, will jetzt Herr Ulbricht das Problem unserer Kohlenhalden und der Feierschichten im Ruhrbergbau lösen. Vier Millionen Tonnen Steinkohlen und 200 000 t Walzstahl – zu dessen Erzeugung auch etwa eine Million t Kohlen gebraucht würden – will die Sowjetzone nach seinem Vorschlag von der Ruhr kaufen. Eine Halbierung der Halden in kurzer Frist!

Und womit will Herr Ulbricht bezahlen? Auch dies ist ganz einfach. Er will unter anderem vier Mill. t Braunkohlenbriketts dadurch für Gegenlieferungen frei machen, daß die Eisenbahnen in der Sowjetzone wieder auf Steinkohle umgestellt werden. Er will dem Westen aus dem sowjetzonalen "Ernteüberfluß" 650 000 t Weizen, 40 000 t Zucker und 20 000 t Schweinefleisch liefern. Der Osten hat von all dem ja so viel. Gleich soll es losgehen – die Steinkohlen- und Stahlsendungen von der Ruhr in die Sowjetzone. Aber die Gegenlieferungen, so meinen Ulbricht und Rau, sollen erst im nächsten und übernächsten Jahr erfolgen. Zu westdeutsch heißt dies, von Westdeutschland sollen zunächst die Kohle- und Stahllieferungen kreditiert werden. Bisher hat die Sowjetzone Kredite, etwa im Rahmen des Interzonenhandels, emphatisch abgelehnt. Mit Gegenlieferungen sind schlechte Erfahrungen gemacht worden. Der reibungslosen Durchführung des Interzonenhandels standen immer wieder die Lieferschwierigkeiten der Sowjetzone entgegen. Hat die Zone soviel Weizen abzugeben? Und sollte man drüben nicht wissen, daß wir weitere Weichweizenmengen nicht mehr benötigen?

Der Vorschlag ist den westdeutschen amtlichen Stellen nicht offiziell vorgelegt worden. Man hat in Pankow erklärt, ihn gleich der breiten Öffentlichkeit zu. unterbreiten, sei wirkungsvoller. Hier wird der propagandistische Pferdefuß deutlich.

Wie man hierüber auch denken mag; auch wenn der Plan als Propaganda zu entlarven ist, so wird doch der Druck auf die amtlichen westdeutschen Stellen stärker werden, sich noch mehr als bisher der Halden- und Feierschichten an der Ruhr anzunehmen. Dieser Druck wird in Bonn verspürt. F. L.