Von Hassan Suliak

Während die ganze Welt in diesen Tagen mit Spannung der Wahl des neuen Papstes entgegensieht, erinnern sich die islamischen Länder an eine Entwicklung, die unter der weisen Führung Pius XII. begann und auf deren Fortsetzung sie auch unter dem neuen Papst hoffen.

Zum erstenmal in der Geschichte des Heiligen Stuhls wurden nämlich während des Pontifikats Pius XII. zwischen den islamischen Staaten und dem Vatikan offizielle Beziehungen aufgenommen. Zwar bestanden schon früher gewisse Kontakte zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und den weltlichen wie auch geistlichen Führern der mohammedanischen Welt, aber sie beschränkten sich im allgemeinen auf protokollarische Liebenswürdigkeiten. Als das geistliche Oberhaupt des Osmanischen Reiches, Scheich-ul-Islam Jemaluddin, Pius X. zu Beginn des Jahrhunderts in Rom besuchte, wies der Papst auf sein kostbares Gewand und sagte: "Wissen Sie, woher dieser Stoff stammt? Er ist ein Geschenk Ihres Sultans an meinen Vorgänger zum Zeichen des herzlichen Einvernehmens zwischen dem Kalifen und dem Heiligen Stuhl."

Fast alle mohammedanischen Herrscher, die Rom besuchten, paßten sich dem vatikanischen Protokoll an, nach welchem alle Staatsoberhäupter, die in die Ewige Stadt kommen, ohne besondere Aufforderung auch dem Heiligen Vater ihre Aufwartung machen – obwohl diese Vorschrift noch aus einer Zeit datiert, in der es undenkbar schien, daß auch ein nichtchristlicher Souverän einmal Rom einen Besuch abstatten könnte. Als der Begründer des modernen Ägyptens, Mohamed Aly, Beziehungen zu den europäischen Mächten herzustellen suchte, sandte er im Jahre 1839 zu diesem Zweck eine Sondermission nach Rom. Ein Jahrhundert später, im Jahre 1946, besuchte das Führungsgremium des arabischen Palästina-Komitees Papst Pius XII., um seine Vermittlung in der Palästina-Frage zu erwirken.

Mit der Überreichung seines Beglaubigungsschreibens an Papst Pius XII. durch den ägyptischen Gesandten Taher el Oman im Oktober 1947 wurde jedoch eine neue Ära eingeleitet: Zum erstenmal in der Geschichte nahm ein islamischer Staat ständige diplomatische Beziehungen zum Heiligen Stuhl auf.

Dem Beispiel Ägyptens folgte Indonesien, sobald es 1950 vom Vatikan als souveräner Staat anerkannt worden war, und drei Jahre später Syrien, Persien und die Türkei. Auch der jüngste, aber zahlenmäßig größte islamische Staat Pakistan unterhält einen diplomatischen Vertreter am Vatikan. Jordanien steht bereits seit dem Palästinakrieg in enger Verbindung mit dem Heiligen Stuhl, weil ja Jordanien seit jener Zeit die Territorialherrschaft über die Heiligen Stätten der Christenheit ausübt.

Es gibt heute nur vier von vierzehn islamischen Staaten, deren Diplomaten beim Vatikan nicht akreditiert sind: Saudi Arabien, Jemen, Lybien Und Afghanistan – Staaten, die aber auch zu anderen Ländern nur in beschränktem Maße diplomatische Beziehungen unterhalten.