bst., Düsseldorf

Seit ein und einem halben Jahr vergeht in Düsseldorf im Haus Horionplatz Nr. 1 – genannt Landeshaus – kein Tag, an dem nicht reichlich Tränen vergossen werden. Nervenzusammenbrüche, Szenen, Schimpfereien und Bittschriften der Belegschaft gehören zur Tagesordnung. Bei den 850 Beamten und Angestellten des Landschaftsverbandes darf man den Namen der Nachbarstadt Köln nicht mehr ungestraft erwähnen.

Das hat aber ausnahmsweise nichts mit dem Flughafen zu tun. Anlaß der Tränenbäche und des großen Kummers ist der Beschluß der Landesversammlung, den Sitz des Landschaftsverbandes nach Köln zu verlegen. Die 850 Düsseldorfer müssen mitziehen oder Pendler werden, wenn sie Stellung und Pension nicht verlieren wollen. Mit 48 gegen 42 Stimmen konnten die Kölner diesen Antrag am 27. März 1956 in ihrem Sinne durchbringen. Und noch heute behaupten manche der Betroffenen, das hätte nur passieren können, weil einige Düsseldorfer Abgeordnete bei der entscheidenden Abstimmung zum Abendessen gegangen seien. Das ist aber nicht nachgewiesen.

Mit dem Umzug des Landschaftsverbandes Rheinland nach Köln wird nun eine fast hundertfünfzigjährige Tradition durchbrochen. Die Kölner bleiben Sieger in einem Tauziehen, das schon 1816 begann. Als durch die Reformen des Freiherrn vom Stein die kommunale Selbstverwaltung eingeführt wurde, stand schon Köln als Sitz der Verwaltung der alten Rheinprovinz zur Debatte.

Es wurde aber nichts daraus. Die Düsseldorfer sagen: Schon damals sei den Adligen, die im Provinziallandtag saßen und mit Roß und Wagen angereist kamen, Köln nicht vornehm genug gewesen. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Jedenfalls trat 1826 die Provinzversammlung zum ersten Male in Düsseldorf zusammen.

Diese Regelung überdauerte Könige und Kaiser, die Präsidenten und den Führer. Damit die Kölner nicht zu kurz kamen, war es eine feste Gepflogenheit, das Amt des Vorsitzenden des Provinzialausschusses jeweils dem Kölner Oberbürgermeister zu übertragen.

Die Engländer brachten 1946 große Pläne für eine Verwaltungsreform mit. Die alte Rheinprovinz wurde aufgelöst, weil sie "preußisch" war. Der Landeshauptmann wurde abgesetzt – "Hauptmann" war noch preußischer – und man konstruierte ein Gebilde mit dem Namen Nordrhein-Westfalen. Die alten Beamten der Rheinprovinz blieben an ihren Schreibtischen sitzen. Für sie änderte sich nichts, außer dem Schild an der Tür. Aus den Provinzialbeamten wurden Regierungsbeamte.