Als Hitler im Januar 1933 in Deutschland die Macht ergriff, da meinten viele, er werde sich schon "totregieren". Auf makabre Weise behielten sie recht: am Ende regierte Hitler sich wirklich zu Tode. Aber er brauchte dazu zwölf Jahre, und mit sich riß er das deutsche Volk und das im 19. Jahrhundert gewachsene Staatensystem.

In den dreizehn Jahren, die seitdem vergangen sind, haben sich nach und nach die Bücherborde mit der Literatur über das Dritte Reich angefüllt Erst die Flut der Dokumente, dann der Sturzbach der Memoiren, schließlich einige wenige Gesamtdarstellungen und eine Reihe vortrefflicher Einzelstudien – sie alle machen es dem Geschichtsbeflissenen leicht, ein Bild der Epoche von 1933 bis 1945 zu gewinnen.

Schwerer allerdings hatten es bisher jene vielen, denen es an Zeit wie an bibliographischen Kenntnissen gebrach (vom Gelde gar nicht zu reden), jene also, die sich weder mit umfänglichen Darstellungen abquälen wollten, noch mit detaillierten Spezialstudien beschäftigen konnten. Ihnen ist ein eben erschienenes Büchlein zu empfehlen:

Hans Buchheim: "Das Dritte Reich – Grundlagen und politische Entwicklungen"; Kösel Verlag, München; 95 S., 4,80 DM.

Buchheim bringt es zuwege, Wesen, Werden und Vergehen des Dritten Reiches auf achtzig Textseiten knapp und verständlich, aber zugleich wissenschaftlich gründlich und quellenmäßig wohlfundiert zu schildern. Seine Sprache besticht durch Klarheit, seine Zusammenschau der innen- und außenpolitischen Entwicklung, der geistigen Grundlagen und ideologischen Verbrämung des nationalsozialistischen Regimes durch dramatische innere Spannung.

Nur in einem Punkte fordert die vorzügliche Studie Kritik heraus. Auch in einer stark gerafften Darstellung der Hitler-Zeit sollte das Phänomen des deutschen Widerstandes mit mehr als einigen kargen Sätzen bedacht werden – und mit mehr als der nur summarischen und obendrein fragwürdigen Wertung: "So lag die Schwäche des deutschen Widerstandes ... darin, daß – der Entschluß zur Tat erst gefunden wurde, als diese nur noch den Versuch bedeutete, die sichere Katastrophe abzuwenden, und nicht mehr die spontane Befreiung von einer Deutschland nicht würdigen Herrschaft."

Solche Verkürzung und Verzeichnung ist bedauerlich. Sie bleibt um so unverständlicher, als Buchheims Studie aus einem Leitfaden für denstaatsbürgerlichen Unterricht in der Bundeswehr entstanden ist. Gerade da wären eingehendere Darstellung und schärferes Urteil gewiß nicht unangebracht gewesen.

Dieser kurzgefaßten Geschichte des Dritten Reiches wäre weiteste Verbreitung zu wünschen. Denn die Kenntnis der Tatsachen und die Einsicht in die Zusammenhänge, die Buchheim vermittelt, sind Voraussetzung für die vielberufene Bewältigung ihrer jüngsten Geschichte durch die Deutschen. Theo Sommer