In der vorigen Ausgabe der ZEIT haben wir uns,meine verehrten Leser, über die Unkosten unterhalten, die beim An- und Verkauf von Aktien entstehen. Dabei haben wir festgestellt, daß die Spesen bei einer kurzfristigen Anlage gebührend zu berücksichtigen sind. Erst wenn der Kurs einer Aktie um vier bis acht Punkte (je nach der Kurshöhe) gestiegen ist, beginnt normalerweise für den Aktienbesitzer das Verdienen, denn der vorausgegangene Kursgewinn wird von den Spesen aufgezehrt. Beim An- und Verkauf von festverzinslichen Papieren gelten andere Maßstäbe. Die Unkosten sind hier wesentlich geringer. Im allgemeinen können sie allerdings auch nicht durch etwaige Kursgewinne gedeckt werden, sondern nehmen Zunächst einen Teil der laufenden Zinsen in Anspruch. Das entfällt natürlich beim Sparen auf Sparbuch. Hier entstehen durch Einzahlung und Abheben keine Spesen. Dafür muß man jedoch einen geringeren Zinssatz in Kauf nehmen. Spart man auf längere Zeit, so wirkt sich der niedrigere Zinssatz ungünstig aus.

Gehen wir in unserem heutigen Gespräch einmal davon aus, daß wir 1000,– DM für ein Jahr anzulegen haben. Um unser Beispiel nicht unnötig zu komplizieren, legen wir zugrunde, daß die anfallenden Zinsen nicht versteuert zu werden brauchen. Zuerst ist zu prüfen, bei welchen Papieren sich die höchste Rendite erzielen läßt. Dafür habe ich Ihnen einige Anregungen in unserem Gespräche am Bankschalter (Ausgabe Nr. 41 vom 10. Oktober 1958) gegeben. Wir wollen auf diese Problematik deshalb hier nicht weiter eingehen, sondern uns vielmehr mit den Unkosten befassen.

Entschließen wir uns der Einfachheit halber zum Kauf einer der jetzt herauskommenden Industrieanleihen mit einem Zinsfuß von 5 1/2 v. H. und einem Ausgabekurs von 99 v. H. Die Zeichnung dieser Anleihen ist spesenfrei. Zu zahlen ist lediglich die sogenannte volle Kundenumsatzsteuer. Sie beträgt in diesem Falle 0,15 v.H. vom Kurswert. Also zahlen Sie: Für nom. 1000,– DM-Anleihe 990 DM zuzüglich Börsenumsatzsteuer von 1,50 DM.

Da die Zinsen auf Anleihen üblicherweise halbjährlich gezahlt werden, erhalten Sie nach 6 Monaten 27,50 DM gutgeschrieben. (Die Zinsen werden natürlich auf den Nennwert, also hier auf 1000 DM, berechnet). Nach weiteren 6 Monaten bekommen Sie noch einmal 27,50 DM. Wenn Sie nun Ihr Papier veräußern wollen, dann geschieht das zum jeweiligen Börsenkurs. Ihre Bank verkauft das Stück an der Börse. Nehmen wir an, daß der Kurs inzwischen auf 100 v. H. gestiegen ist. Dann sieht die Rechnung so aus:

Nom. 1000 DM zum Kurs von 100 v. H. 1000,– DM

Börsenumsatzsteuer = 1,15 "

Maklergebühr – 0,75 ,,