Was ist Frankreich für den durchschnittlichen mittel europäischen Zeitgenossen? Ein Bai Musette auf Montmartre, Roben von Dior, Brigitte Bardot – und dahinter eine schläfrige Provinz, das Ganze überschattet von einer seltsamen, in ihrem Zickzackkurs auf weite Strecken unverständlichen Politik. Wem das nicht genügt, der leset

André Maurois: "Frankreich ändert sein Gesieht"; übertragen von Helmut Hölscher; Econ-Verlag, Düsseldorf; 189 S., 24 Tafeln, 12,80 DM.

Es handelt sich um eine von dem greisen Romancier gelenkte Reportageserie. Sie zeigt all das in Wort und Bild, was man in Frankreich leicht übersieht: Wiederaufbauleistungen wie die neuen Stadtzentren von Le Havre und St. Malo, die vorzüglichen Autos und den "Caravelle"-Luftkreuzer, das Atomzentrum von Marcoule, die Stauwerke an der Rhone, die Ölraffinerien an der Seine...

Es ist nützlich, in so konzentrierter Form an das Vorhandensein dieses anderen, des "modernen Frankreich" erinnert zu werden. Koketterweise hat man in die deutsche Übersetzung auch den Schlußteil aufgenommen, in dem Maurois (der in seiner Jugend selbst eine Textilfabrik leitete) seinen Landsleuten ein wenig die Leviten liest. Er zählt dort die "Notwendigen Tugenden" (Mannschaftsgeist, Achtung vor den Tatsachen, Bürgersinn und anderes mehr) auf, die Voraussetzung dafür wären, daß dieses "andere Frankreich" zum eigentlichen Frankreich wird. A. M.