J. v. Z., Bückeburg

Vor zehn Jahren noch war der Weinberg bei Bückeburg ein öder Hügelrücken. Heute stehen dort, auf dem früheren Truppenübungsplatz, drei solide Steinhäuser. Sie beherbergen die wohl einzige Friedensakademie in Deutschland: das Freundschaftsheim Bückeburg.

In zwei Nissenhütten begann vor über einem Jahrzehnt der Verein Freundschaftsheim seine Arbeit auf dem öden Weinberg. Die schweren Erdbewegungen, die Umwandlung des Ödlandes in Acker, Wiesen und Gärten, die Anlage einer 350 Meter langen Kanalisation, die Ausschachtungsarbeiten für die drei Häuser, selbst der Bau dieser Häuser – dies alles wurde in neunjähriger Arbeit von 850 Freiwilligen aus 30 Ländern geleistet.

Daß es sich lohne, Opfer für den Frieden zu bringen, dies war schon lange die Einstellung der Pfarrgemeinde von Petzen. Das Flüchtlingselend in ihrer Mitte und die vorbildliche Haltung eines jungen amerikanischen Ingenieurs, George Hogle, der mit dem Quäkerhilfsdienst aus den Vereinigten Staaten gekommen war, bestärkten sie darin. Es bestärkte sie auch der französische Pfarrer André Trocme, dessen Gemeinde im südfranzösischen Le Chambon sur Lignon lange Jahre hindurch vielen Flüchtlingen aus den Staaten der Diktatur eine Zuflucht geboten hatte. Während der deutschen Besatzungszeit rettete Trocmé 300 verfolgten Juden das Leben und beschützte dann 1945 die deutsche SS vor der Rache des Maquis. Trocmé sagte 1946 zum Petzener Gemeindepfarrer Wilhelm Mensching: "Ihr müßt auch in Deutschland einen Mittelpunkt für Versöhnung und Friedensarbeit schaffen. Und das sollte hier geschehen ..."

Pastor Mensching, der vor dem ersten Weltkrieg als Missionar in Deutsch-Ostafrika gewirkt hatte und in Indien ein Bewunderer Gandhis geworden war, zögerte zunächst. Woher sollte das Geld für ein solches Vorhaben kommen? Doch die Spenden, die aus seiner Gemeinde "für die Friedensarbeit" einliefen, stimmten ihn um. Später erhielt er dann größere Beiträge von den Freundschaftskomitees in den Vereinigten Staaten, in Kanada und England. Sie sicherten den Bau der drei Freundschaftshäuser – und auch die Anstellung ausländischer Gastlehrer.

Jedes Jahr stellt Pastor Mensching, der nun 70jährige Leiter des Freundschaftsheims, einen Plan für die Lehrgänge und die Tagungen auf, an denen Studenten aus allen Erdteilen teilnehmen. Manche der Konferenzen dauern sechs Tage, andere sechs Wochen.

Auch Bundeswehrsoldaten sitzen oft unter den Zuhörern...