Im Bereich des Unterbewußtseins, möchte man beinahe sagen, gedeiht und wächst bei vielen Industriellen die Überzeugung von der alles überragenden Bedeutung der Entwicklungsländer. Neuerdings werden die Kredit- und Hilfsgesuche dieser jungen Handelspartner der Industrieländer auch von den Regierungen der Gläubigernationen unterstützt. Minister Erhard hat die Privatindustrie zur Aktivität in den neuen Märkten ermuntert, und in Zukunft sollen Hermes-Garantien auch für deutsche Investitionen in Entwicklungsländern erhältlich sein.

Weshalb zögern die Industriellen des Westens mit dem Eindringen in die Absatzmärkte der Zukunft? Wenn sie noch zögern, so aus Gründen, die der Chef der Klöckner-Werke AG, Dr. Günter Henle, auf der Tagung der International Finance Corporation in Neu-Delhi erläutert hat, als er das Klima schilderte; das sich die Privatunternehmen wünschen. Dabei sagte Dr. Henle auch einiges über das Klima, das sich die Privatunternehmen in den Entwicklungsländern nicht wünschen.

Als größtes noch bestehendes Hindernis für die gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Entwicklungsländern und Privatunternehmen stellte der Chef der Klöckner-Werke die psychologischen Gegebenheiten dar. Das private Unternehmertum steht gerade in den Ländern, in denen man seine Entwicklung während der letzten 150 Jahre nicht näher kennt, einem schweren Vorurteil gegenüber.

Das Vorurteil, das einige historische Berechtigung hat, jedoch auch heute noch geflissentlich genährt wird, betrifft das Gewinnstreben der Unternehmen. Das kleine Kolleg, das Dr. Henle über die volkswirtschaftlichen Funktionen dieses verpönten Strebens nach Gewinn in Neu-Delhi gelesen hat, ist in Indien von mehr als akademischem Interesse.

Das indische Gesetz, das die Beziehungen zwischen Staat und Industrie regelt, die sogenannte "Industries Development and Regulation Act", ist ein Modelfall dafür, wie sich das psychologische Vorurteil zu wirtschaftspolitischen Maßnahmen verdichten kann. Der indischen Zentralregierung werden durch das genannte Gesetz weitgehende Vollmachten zur Kontrolle von Privatunternehmen übertragen, die manche Unternehmen von größeren Investitionen abschrecken dürften.

Zunächst hat die Regierung ein Recht auf. Einblick in die Geschäftsführung und kann beispielsweise unter folgenden Umständen in Geschäftsgeheimnisse der Privatunternehmen eindringen:

bei einem "ungerechtfertigten" Produktionsrückgang;