Landwirtschaftliche Importpolitik der Bundesrepublik im Kreuzfeuer der GATT-Tagung

Genf, Ende Oktober

Der Abbau der Zölle auf Industriewaren stand bisher im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen den 37 Ländern, welche dem "Allgemeinen Abkommen über Zölle und Handel" (General Agreement on Tariffs and Trade, GATT) angehören. Die gegenwärtig in Genf stattfindende Tagung befaßt sich nun zum erstenmal mit Fragen der Landwirtschafts- und Rohstoffpolitik in den Industrieländern.

Das Problem der Tagung

Man erinnert sich, daß das GATT ursprünglich ein Vorstadium für eine "Internationale Handelsorganisation" (ITO) der Vereinten Nationen sein sollte. Aber sowohl diese ITO wie eine später geplante Organisation für Handels-Kooperation (OTC) kamen angesichts des Widerstandes im amerikanischen Kongreß nicht zustande. So wurde das GATT ein "Permanentes Provisorium" mit Vertragsparteien – nicht Mitgliedern –, die 80 v. H. des Welthandels kontrollieren; unter ihnen befindet sich aber von den Ostländern nur die Tschechoslowakei, während Polen seine Aufnahme beantragt hat. Das GATT dient der gegenseitigen Zollsenkung und dem Abbau der Einfuhrkontingente in den Vertragsländern auf der Grundlage der Meistbegünstigung: Die an den GATT-Tagungen ausgehandelten Zollsenkungen gelten jeweils für alle 37 Länder.

Im vergangenen Jahre beschloß die GATT-Jahrestagung, ein Gutachten ausarbeiten zu lassen über:

1. die Gründe für die langsamere Entwicklung der nicht-industrialisierten Länder,