Es ist wieder ein Diplomat und wieder ein Italiener Oberhaupt der Katholischen Kirche geworden: Angelo Roncalli. Kein Fürst diesmal, sondern Sohn eines armen Pächters. Gerühmt wird, daß er dem einfachen Volke verbunden blieb und daß er bei all seiner Gelehrsamkeit über Schlagfertigkeit und Humor verfügt. Ein Mensch der Tatkraft und der Liebe.

Der bisherige Patriarch von Venedig, der 76jährige Kardinal Angelo Roncalli, hat als Diplomat im Dienste des Heiligen Stuhles neun Jahre in Bulgarien und dann neun Jahre in Griechenland gewirkt, ehe er 1944 Apostolischer Nuntius in Paris wurde, ein Amt, das er bis zu seiner Ernennung zum Patriarchen von Venedig im Jahre 1953 innehatte. Bereicherte ihn im Osten die Berührung mit der orthodoxen Kirche und der Mentalität ihrer Gläubigen, so gewann er im Westen neue Erfahrungen in politisch-erregten Augenblicken, da viele Franzosen glaubten, der Vatikan habe falsch darin gehandelt, daß er, mit dem Staate Petains nicht brach. In Bulgarien, Griechenland und Frankreich errang Roncalli hohes Ansehen, ja Liebe, so daß diese Länder ihm ebenso verbunden sind wie die Deutschen Pius XII. verbunden waren. MM