G.Z., Karlsruhe

Der Rhein soll Deutschland und Frankreich nicht trennen, sondern verbinden. Besonders in Baden-Württemberg und im Elsaß wünscht man sich das. Doch ausgerechnet im Jahrzehnt der europäischen Verständigung ist der Rhein schwerer zu überschreiten als je zuvor: Nur sieben Grenzübergänge gibt es heute zwischen Basel und Karlsruhe auf einer Strecke von rund 200 Kilometern...

Vor dem ersten Weltkrieg führten 20 Brücken und Fähren über den Oberrhein, und bis zum zweiten Weltkrieg gab es immerhin noch 17 Übergänge. Im Januar 1953 wurde zwischen Deutschland und Frankreich das "Abkommen über die festen Brücken und Fähren über den Rhein an der deutsch-französischen Grenze" abgeschlossen, das die Verteilung der Wiederaufbaulasten regelte.

Nach dem Abkommen fällt dem deutschen Partner die Aufgabe zu, bei Neuenburg und Kehl Eisenbahnbrücken, bei Breisach und Kehl Straßenbrücken zu bauen. Doch geschehen ist bisher recht wenig. So wenig, daß jetzt ein Baden-Badener Landtagsabgeordneter die Stuttgarter Regierung fragte, was sie zu tun gedenke, um die unerfreuliche Situation zu ändern.

Die Antwort der Landesregierung war nicht ermutigend. Bei der Eisenbahnbrücke Kehl ist das erste Gleis fertig. Erst nach Klärung der Finanzfragen – frühestens im nächsten Jahr – wird in Neuenburg der Wiederaufbau einer eingleisigen Eisenbahnbrücke beginnen können. Bei den Straßenbrücken sieht es nicht besser aus. Die Arbeiten an der Brücke Kehl-Straßburg sollen im nächsten Jahr, die an der Breisacher Brücke im übernächsten Jahr aufgenommen werden.

Nun kostet Brückenbauen eine Menge Geld, und eine Landeskasse schafft das nicht allein. Loch die Hüter der Bundesfinanzen waren bisher zurückhaltend. Sie wiesen darauf hin, daß alle Zubringerstraßen Landstraßen sind und das Land Baden-Württemberg für den Wiederaufbau der Straßenbrücken und für die Unterhaltung der Rheinfähren verantwortlich ist.

"Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die Bundesregierung diese Aufgabe vernachlässigt", wurde im Landtag zu Stuttgart kritisiert. "Die europäischen Einrichtungen sind geschaffen worden, aber für die menschlichen Beziehungen über den Grenzstrom hinweg wird nichts getan."

Die Situation an Südwestdeutschlands Grenzen erscheint absurd, wenn man bedenkt, daß es zwischen Konstanz und Basel 95 offizielle Grenzübergänge von der Bundesrepublik in die Schweiz gibt. Daneben nehmen sich die sieben Übergänge nach Frankreich mehr als bescheiden aus.