Zehn Tage lang habe ich den neuen Opel "Kapitän" gefahren, und ich will darüber schreiben, so wie man zu einem Freund spricht, der sich ein Auto kaufen und beraten sein will. Würde ich ihm zum Opel "Kapitän" raten? Das kommt auf den Freund an.

Reden wir vom Geld zuerst, Wer damit überhaupt nicht zu rechnen braucht, für den gibt es auf dem Weltautomarkt noch bessere Wagen. Wer nicht ein Monatseinkommen von mindestens 2500 DM oder ein großzügig gewährtes Spesenkonto hat, für den baut Opel seinen "Rekord" und viele andere Firmen bauen für ihn viele andere, geeignetere Wagen. 10 250 Mark kostet der Kapitän, 11 000 Mark in der Luxusausführung. Dazu kommen Sonderausgaben für Sonderwünsche: 650 Mark für die Opel – Spezialität "Overdrive", die aus dem Dreiganggetriebe ein Fünfganggetriebe macht und damit vor allem Brennstoff sparen hilft; 500 Mark für ein Schiebedach; etwa 300 bis 500 Mark (je nach Marke und Qualität) für ein Autoradio. Ich selber fände alle diese zusätzlichen Ausgaben ziemlich überflüssig.

Für sein Geld ist der Kapitän der schnellste Wagen auf dem demschen Markt. Der Motor ist sein größtes Prunkstück, 142 Stundenkilometer verspricht der Werkkatalog – und die fährt der "Kapitän" mühelos. Bei langen Fahrten über Deutschlands Autobahnen waren es eigentlich nur drei Wagen, die an ihm vorbeizogen: der große Mercedes, der große BMW und reine Sportwagen (vor allem also der Porsche).

110 km/h ist die angenehmste Reisegeschwindigkeit; die fährt er ohne Vibration, ohne störendes Geräusch selbst bei leicht geöffnetem Fenster. Bei 140 empfiehlt es sich dann allerdings, die Fenster geschlossen zu halten, Wenn man sein eigenes Wort noch verstehen (oder gar Radio hören) will.

Der Wagen "hängt am" Motor, und reagiert auf die leichteste Verschiebung des Gaspedals, beschleunigt gut im ersten und dritten Gang, vorzüglich im zweiten, und bremst so prompt, daß der geübte Fahrer die Bremsen überhaupt nur in kritischen Situationen braucht. Das ist auch gut so; denn die Handbremse sitzt (was leider immer mehr üblich wird) so, daß Je ohne Verrenkungen des Oberkörpers nicht bedient werden kann.

Der schwere 80 FS-Motor ist sehr unempfindlich, so daß schaltfaule Fahrer stundenlang durch die Stadt fahren können, ohne je einen anderen als den zweiten Gang zu gebrauchen.

Der zweite große Vorzug dieses Wagens für Leute, die so etwas zu schätzen wissen, ist seine elegante Form (dazu eine große Skala schöner Farben, die individuellem Geschmack viel Spielraum läßt). Der Opel "Kapitän" ist ein Wagen, nach dem sich die meisten Leute umschauen. Er ist also wie geschaffen zur Repräsentation auf ziemlich hoher Ebene.