Auf dem Weltmarkt ist ein neues Handelsangebot aufgetaucht. Die Sowjetunion bietet erstmalig Großfrachter für die Handelsschiffahrt an, die sie in Serien auf ihren Werften baut. Bisher importierte die UdSSR noch Handelsschiffe aller Tonnagen, die für sie, mit Ausnahme der Tanker, auf allen großen Werften Europas gebaut wurden. Nicht nur Polen, die Sowjetzone, Rumänien und Bulgarien bauten Schiffe für Moskau. Es gab fast keine Werft in Westdeutschland, Belgien, Dänemark, Holland und Frankreich, in der nicht ein Schiff im Auftrag der UdSSR auf Kiel gelegen hatte. 1956 waren es allein 212 000 BRT, die in westeuropäischen Werften für sowjetische Rechnung aufgelegt wurden. Im vergangenen Jahr waren es zwar schon weniger, aber immerhin noch 74 Schiffe neuester Art mit rund 135 000 BRT. In diesem Jahr sind es nur noch rund ein Dutzend Schiffe, die in Westeuropa in sowjetischem Auftrag gebaut werden. Trotzdem war nicht anzunehmen, daß die Sowjetunion schon jetzt mit einer Offerte erscheint, deren Preis um zehn bis 15 Prozent unter den gleichartigen westlichen Angeboten liegt. Die ersten Muster werden an Indonesien geliefert.

Bei Durchleuchtung des sowjetischen Angebots ergeben sich einige Überraschungen. Mit den Prospekten der "Sudoimport-Export", der zuständigen sowjetischen Außenhandelsorganisation, die vom sowjetischen Außenhandelsministerium versendet werden, wird ein besonderer Schiffstyp angeboten. Es handelt sich hier um Serienschiffe des Baumusters "Korabel", die 167 Meter lang sind und eine äußerste Deckbreite von 22 Metern haben. Das Frachtschiff ist 16 000 Deadweight-Tonnen groß und wird durch Dampfturbinen angetrieben. Die in den USA gebauten Handelsschiffe dieser Größenklasse laufen. 21 Knoten. Dieses sowjetische Schiff erreicht nicht die gleiche Geschwindigkeit, sondern liegt etwas darunter.

Die allgemeine Einrichtung der sowjetischen "Korabel"-Schiffe ist im üblichen Rahmen gehalten, was die Maschinen und auch den Aufbau mittschiffs anbetrifft. Aber die Unterkünfte lassen darauf schließen, daß die sowjetischen Schiffe mehr Offiziere an Bord haben, als das bei der christlichen Seefahrt des Westens der Fall ist. Auf diesen neuen zum Verkauf angebotenen sowjetischen Handelsschiffen haben die Offiziere sehr geräumige Kabinen. Es gibt beinahe eine Flucht von Räumen für den Kapitän, für den Ersten Offizier und den Ersten Ingenieur, für zwei Funkoffiziere und einen "Navigations-Elektriker", für den es auf westlichen Schiffen kein Gegenstück gibt.

Interesse oder zumindest Neugier wird auf den Märkten den neuen sowjetischen Schiffen begegnen. O. T.