Von Kurt Richebächer

London, Ende Oktober

In England befehden sich zur Zeit Regierung und Opposition mit neuen Plänen über die Altersversorgung. Bisher sind die Leistungen des britischen Staates auf diesem Gebiet nicht gerade üppig. Die Einheitsrente, welche die Englinder gegenwärtig im Alter beziehen, beträgt für ein Ehepaar 200 DM monatlich. Das sind fast 70 Prozent weniger als der durchschnittliche Verdienst eines unselbständig Erwerbenden.

Als nach dem Krieg das System des Einheitsbeitrags und der Einheitsrente eingeführt wurde, kamen sich die Väter des Planes sehr kühn vor. Sie standen noch unter dem Eindruck der großen Krise der dreißiger Jahre und rechneten mit häufiger Arbeitslosigkeit und allgemein gleichbleibendem Einkommen.

Aber selbst das zur Zeit geltende System – dessen Leistungen, vom einzelnen aus gesehen, bescheiden sind – wird in den nächsten Jahren den Staat große Zuschüsse kosten. Die Altersversorgung gerät in eine finanzielle Zange: immer neue Jahrgänge, die selber nur während weniger Jahre Beiträge gezahlt haben, werden pensionsreif. Unabhängig von den bezahlten Beiträgen haben sie alle Anspruch auf die Einheitsaltersrente. Selbst wenn die Renten nicht erhöht würden, müßte die Regierung im Jahre 1960 50 Millionen Pfund, 1970 bereits 322 Millionen und 1980 sogar 475 Millionen Pfund zuschießen.

Die neuen Vorschläge bezwecken daher unter anderem auch, diese Last wenigstens teilweise von den Steuerzahlern auf die Versicherten abzuwälzen. So hätte der Plan der Regierung (nach ihren Schätzungen) zur Folge, daß im Jahre 1962 etwa 99 Millionen, 1971 bereits 280 Millionen Pfund und 1981 428 Millionen Pfund eingespart würden.

Zwischen dem konservativen Pensionsplan und den Vorschlägen der Labour-Opposition bestehen nur geringfügige Unterschiede. Aus dem Vorschlag der Regierung ist deutlich das Bestreben abzulesen, die Staatsversicherung in Grenzen zu halten, nur den kleinen Einkommen einen Zuschuß zu geben und jegliche Vermögensbildung zu vermeiden. Die höchste Rente, mit der ein Versicherter theoretisch erstmals im Jahre 2008 rechnen kann, ist wöchentlich 6 Pfund. Dieser günstigste Fall würde bei einem Versicherten eintreten, der heute 18 Jahre alt und verheiratet ist, der zudem bereits den stattlichen Lohn von 15 Pfund in der Woche (über 600 DM monatlich) verdient. Groß kann die Zahl dieser Fälle sicher nicht sein ...