Zum zehnten Male Filmtreffen in Bad Ems

Bad Ems, im Oktober

In Bad Ems fand das 10. Internationale Filmtreffen der Filmklubs statt. Der letzte Teil war der Jugend gewidmet, denn die 113 Jugendfilmklubs haben inzwischen auch schon über 35 000 Mitglieder. Zwei Filme machten heftige Auseinandersetzungen unvermeidlich. "Junge Herzen im Sturm" wurde von Alf Sjöberg 1954 nach einem Drehbuch von Ingmar Bergman inszeniert. In einem schwedischen Wohlstandsmilieu brechen einem Jungen seine Ideale zusammen, als er entdeckt, daß seine Mutter einen Liebhaber hat und mit diesem weggehen will. Das ist psychologisch sehr genau geschildert, Eva Dahlbeck spielt die Rolle der Mutter mit den feinsten Nuanceh, wenn auch die Dramatisierung der Problematik und die Betonung einiger Symbole manchmal etwas zu stark scheint. Für Jugendliche ist nun . aber wohl dieser Film wirklich ganz ungeeignet. Ein Jugendlicher kann zwar in diese Situation selber kommen, aber auch dann ist es noch sehr fraglich, ob er so viel Verständnis aufbringen könnte, wie der Junge in diesem Film. Wenn ihm aber sowohl das Problem als auch das Milieu fremd sind, ist ihm der Zugang verwehrt.

Dem Münchener Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht verdanken wir die einzige Uraufführung der Emser Tage: "Warum sind alle gegen uns?" Das Institut hat schon in den letzten Jahren einige jugendpsychologische Kurzfilme hergestellt, die als Diskussionsgrundlage für Gespräche mit Jugendgruppen eine große Hilfe sind. Nun hat man versucht, den ersten Spielfilm dieser Art in der "Form eines dokumentarischen Filmberichts" herzustellen. Aber für ein Dokument braucht man eine gewisse Vollständigkeit, während man die Diskussion nur anregen kann, wenn man ein Problem möglichst klar herauslöst. Dadurch stehen nun dokumentarische Passagen (Hüttenwerk) und Problem-Sequenzen etwas zusammenhanglos nebeneinander. Das Problem (Hilfsarbeiter, der einer Bande angehört, liebt Prokuristentochter) wird mit allen Randproblemen (Zwang der Gruppe, Klassengegensatz, Freizeitgestaltung) in einer Spielhandlung entwickelt, die durch die Häufung von "Typischem" unecht wirkt und wegen der Besonderheit der Vorbedingungen (nur wenige gehören Banden an) nicht von jedem akzeptiert wird. Die Regie hatte Bernhard Wicki übernommen, aber wenn wir auch seine Leistung bewundern, so hatte er sich doch für seine erste Filmregie etwas zuviel vorgenommen, und so ganz ist ihm die Leitung dieser weitgehend filmfremden Darsteller nicht gelungen. Die Kameraarbeit von Gerd von Bonin hingegen ist für einen solchen Film fast etwas zu "gut", mit ihrer Artistik lenkt sie ein wenig vom Problem ab. Daß einmal ein solcher Film gedreht wurde, ist jedoch sehr erfreulich.

Es gab aber auch unumstrittene Erfolge bei den Jugendtagen. Da kam aus Indien "Zwei Hektar Land", die ganz einfach und undramatisch erzählte Geschichte von der Bauernfamilie, die auch mit Arbeit in der Stadt ihre Schulden nicht rechtzeitig bezahlen kann, und ihr Land verliert. Der Regisseur Bimal Roy gibt darin viel vom heutigen Leben in Indien. Ein Film für alle Altersgruppen. Der schöne Kinderfilm "Abenteuer in der goldenen Bucht" fand bei den Kindern im Zuschauerraum begeisterte Anerkennung. Er wurde 1955 vom Studio für Kinderfilme des Tschechischen Staatsfilms gedreht und von der sowjetzonalen "Defa" ausgezeichnet synchronisiert. Wie nötig brauchen wir solche Filme. Aber die Kinderfilmstiftung für die Bundesrepublik scheint immer weniger Aussichten zu haben.