Von Rudolf Walter Leonhardt

Redaktion und Verfasser bekommen täglich viele Briefe zu dieser Serie, und zwar von "Germanisten" in jenem umfassenden Sinne, wie sie hier gemeint waren, von Lehrenden und Lernenden an den deutschen Schulen und Hochschulen, von Schriftstellern und Kritikern, von Leuten, die sich ganz allgemein für deutsche Sprache und Literatur interessieren. Wir hoffen, eine größere Zahl dieser Briefe wenigstens auszugsweise noch veröffentlichen zu können und bitten um Verständnis dafür, daß eine Beantwortung jedes einzelnen dieser Briefe dem Verfasser zunächst leider nicht möglich ist.

Im Auslegen seid frisch und munter Legt ihr’s nicht aus, so legt was unter.

(Goethe)

Der schlechte Superlativ eines bezeichnenden Modewortes ist gerade recht, die Stellung des Deutschlehrers in unserem "Bildungswesen" zu bezeichnen: er ist die "überforderte Lehrkraft".

Wie etwa macht er einem Schüler klar, daß "überfordertste" ein Un-Wort ist (da ja gegen "geeignetst" kaum jemand etwas einzuwenden hat)? Seitdem Schul-Beurteilungen zuweilen sogar juristisch angefochten werden, ist der Mut der Leute, die an unseren Höheren Schulen Deutschzensuren verteilen, der allerhöchsten Bewunderung wert,

"Ich muß Ihnen mein echtes Anliegen zum Ausdruck bringen", sagte eine der vielen Besucherinnen, die bei dem Studienrat Dr. Foß einander die Klinke in die Hand geben, "den laufenden Aufsatz meines Sohnes, den Sie mit 4 beurteilt haben, finde ich gar nicht unflott, doch einfach toll gestaltet". Der Sohn schreibt, wie die Mutter spricht. Was soll ein Lehrer da machen?