Da dreht es sich nun, seit 68 Jahren. Und was nützt dem Deutschlehrer dabei die Germanistik? Was befähigt ihn dazu zu entscheiden, in welche von sechs Kategorien das Deutsch eines Schülers, sein Verständnis für die Dichtung, sein Wertsystem, sein Urteil, seine sittliche Reife einzuordnen sind? Die verdienstvollen Bemühungen der Studienseminare (an denen der Deutschlehrer zwei Jahre lang von erfahrenen Pädagogen ausgebildet wird) sollen gewiß nicht unterschätzt werden, wenn wir fragen: Wer oder was gibt ihm die Kraft, solche Entscheidungen vor der Schule, vor dem Schüler, vor dessen Eltern und – vor seinem eigenen Gewissen zu vertreten?

Fragen wir, wie wir schon bei dem Hochschullehrer gefragt haben: Wie wird man heute Deutschlehrer? Schauen wir uns dafür die Laufbahn unseres Dr. Foß an (der nicht eine frei erfundene, sondern eine aus Tatsachen-Fragmenten zusammengesetzte Figur ist).

Das hatte bei ihm, kurioserweise, mit einem "Befriedigend" als Deutsch-Zensur im Abitur angefangen. Er war bis dahin im Deutschen immer "sehr gut" gewesen. Dann kam die große, die alles entscheidende schriftliche Prüfung. Das Thema, das er gewählt hatte, hieß "Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag" und war anscheinend als eine Art Motto für den neuen "Lebensabschnitt" gedacht. Wir schrieben das Jahr 1936.

Primaner Ulrich Foß kannte seinen Faust –

Ich grüße dich, du einzige Phiole,

Die ich mit Andacht nun herunterhole!

Ins hohe Meer werd ich hinausgewiesen,