Was also hat die Universität für den Deutschlehrer getan? Mit dieser Frage erregt man leicht Anstoß, weil die gefragten Hochschullehrer den Verdacht haben, man liebäugele mit der Antwort: "Nichts".

Das wäre ganz falsch. Zunächst einmal verdankt er ihr die notwendigen Scheine und Formulare, die ihn überhaupt erst dazu berechtigten, "Studienreferendar" und damit angehender Deutschlehrer zu werden. Weiterhin verdankt er ihr eine ganze Menge Kenntnisse, die er sich so doch nicht selber hätte erarbeiten können. Er verdankt ihr einen bescheidenen Einblick in wissenschaftliche Arbeitsmethoden, vielleicht sogar einen Überblick über sein Fach und, wenn er Glück gehabt hat, persönlichen Kontakt mit ein oder zwei wirklich großen Gelehrten.

Das ist nicht wenig. Gewiß nicht. Und vielleicht ist von allem der persönliche Kontakt das Wichtigste. Ich habe, ehe ich dieses schrieb, viele junge Germanisten gefragt: "Sagen Sie bitte, was ist nun eigentlich von Ihrer Universitätszeit wirklich geblieben?" Und dann antworteten sie meistens einfach, indem sie Namen nannten: Kayser, Alewyn, Emrich, Rehm, Benno von Wiese, Kuhn...

Hierhin gehört der Auszug aus einem Brief von Dr. Peter Wapnewski, der jetzt als Gastprofessor an der Harvard Universität lehrt: "Wer wie ich im Jahre 1943 in Berlin die Vorlesungen von Ulrich Pretzel besucht hat, der tat es nicht nur um deren philologischer Qualitäten willen, sondern weil er wußte, daß hier ein Mann lehrte, der zum ‚anderen Deutschland‘ gehörte, der es bewahrte und uns den Glauben an seine Möglichkeiten wachhielt. Er hat uns damals eine Wirklichkeit ‚deutschen Geistes‘ demonstriert, die mit nationalem Pathos nichts zu tun hatte. In ihm suchten und fanden wir die Schlichtheit und Stille am Werk, die auch Bestandteil des zitierten Geistes sind – wenngleich sie nicht eben oft dominiert haben."

Auf den Wert solcher persönlicher Kontakte sollte nachdrücklich hingewiesen werden – weil gerade sie in Gefahr sind, ein Opfer des Massenbetriebes zu werden, der heute an den Universitäten katastrophale Ausmaße angenommen hat.

Der Massenbetrieb kommt daher, daß die Universitäten gehobene Berufsschulen geworden sind. Man kann darüber so laut klagen, daß auch Vernünftige Gegenstimmen besonnener Humanisten im Geheul untergehen. Lauschte man diesen Stimmen, so könnte man hören:

1. Eigentlich waren ja doch die Universitäten