t. l., Bad Hersfeld

Eis wird kein „Heldenfriedhof“ im Monumentalstil, doch eine würdige Ruhestätte für 600 Russen, Weißruthenen und Ukrainer, die während des Krieges als Gefangene oder „Ostarbeiter“ ums Leben kamen: der Russenfriedhof im Pfaffenwald, hoch über dem Dorf Beiershausen im Kreis Hersfeld. Heute schon ruhen 400 ehemalige sowjetische Kriegsgefangene in der einsamen Waldlichtung. Tannenreisig deckt die Gräber in der Waldschneise, an deren Ende ein übermannshohes Holzkreuz die vielen kleinen Kreuze des Gräberfeldes überragt. Dreisprachig ist die Inschrift auf dem verwitterten Querbalken eingebrannt:„Hier ruhen die Opfer einer schweren Zeit.“

Zu Füßen des Kreuzes liegt eine Steinplatte mit dem Wappen der Ukraine: ein Zeichen, daß Emigrantenorganisationen vor langem schon den Weg in den Pfaffenwald gefunden haben. Ihre Mittel reichten freilich nicht aus, um die Gräberstätte auszubauen und die 200 Sowjetbürger, die heute noch in den Kreisen Ziegenhain, Hersfeld und Hünfeld liegen, auf den Waldfriedhof umzubetten. Hier sprang der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ein, der auch die Gräber gefallener Ausländer betreut, wenn sich die Regierungen ihrer Heimatländer nicht um sie kümmern können oder wollen. Die 4. Kompanie des Panzer-Pionier-Bataillons II in Hannoversch-Münden will die Zufahrtsstraße zu dem Friedhof bauen und ihn erweitern.

Die Bundeswehr-Pioniere sind in den ersten Dezembertagen schon mit einem Sprengkommando ausgerückt. In einem Basaltbruch nahe Beiershausen brachen die Soldaten 400 Kubikmeter Gestein aus dem Berg: die Schotterunterlage für die Zufahrtstraße. Und während die Detonationen an der Mengshäuser Kuppe weithin über das Fuldatal donnerten, surrten im Pfaffenwald die Motorsägen: Eine Pioniergruppe fällte die Bäume, die den neuen Gräbern weichen müssen.

Im Januar, wenn die Pioniere wieder vom Weihnachtsurlaub zurück sind, werden sie an die Arbeit gehen und die fehlenden 800 Meter Straße bauen. „Übung“ wird das schlicht und einfach auf ihrem Dienstplan heißen. Später wollen sie dann auch noch bei der Anlage des Friedhofs helfen. Im Juli 1959 sollen die Arbeiten beendet sein.

Einzelne Kreuzgruppen werden sich dann über einem Teppich von Erika erheben. Rohguß-Tafeln mit den Namen der Toten werden dem Vorübergehenden künden, daß hier Russen, Ukrainer und Weißruthenen ruhen – auf einem Friedhof, den der Deutsche Volksbund für Kriegsgräberfürsorge und die deutsche Bundeswehr gebaut haben. Und besser als alle Dementis wird der Russenfriedhof im Pfaffenwald die Behauptung des sowjetzonalen Deutschlandsenders widerlegen, in der Bundesrepublik würden die Gräber der russischen Staatsangehörigen einfach eingeebnet.