Von Andreas Sattler

Da gab es einmal in der deutschen Literatur – als es noch eine ... beinahe hätte ich etwas gesagt! – da gab es also einen begabtei jungen Mann, und da er Hans Kafka hieß, wurde er immer mit einem anderen Kafka verwechselt, den es damals noch nicht im allerentferntestei so viel gab wie heute. Und das verdroß ihn, da er doch nicht Franz hieß, und so erzählte er in eher Zeitschrift, die es damals auch gab, daß er sich immer mit den Worten vorstellte: "Nein, ich bin nicht der Verfasser des ,Schlosses‘ und so weiter!" Worauf ein junges Mädchen gesagt haben soll: "Ach, und ich hätte doch so gern den Mann kennengelernt, der die hübschen Feuilletons schreibt!"

Da gibt es soeben ein Bändchen kleiner Geschichten

John Kafka: "Welt und Kaffeehaus"; F. A. Herbig Verlag, Berlin; 88 S., 4,80 DM,

und John ist mit Hans nicht nur zu vervechseln, nicht nur verwandt, sondern sogar identisch. In diesem Bändchen gibt es eine Titelnovelle, die Geschichte von einem Kaffeehausphilosophen, der mit dem Wiener Schriftsteller Peter Altenberg nicht zu verwechseln ist, weil er mit ihm identisch ist, und der Autor des Bändchens erzählt einige Altenberg-Anekdoten, die bereits Egon Friedell erzählt hat, mit dem aber Kafka nur schwer zu verwechseln wäre. Die Titelnovelle nun handelt davon, daß jemand für einen anderen eine Weltreise antritt, das heißt, er tritt sie nicht selber an, sondern läßt sich durch den Kaffeehauskellner vertreten, und der Kellner schreibt nun Ansichtskarten aus der weiten Welt an die Eltern des dritten – aber das hat schon Felix Krull erzählt. Vor Kafka.

Denn da gab es bekanntlich auch einen Plagiatsprozeß, als Thomas Manns letztes Werk verfilmt wurde, und wer da glaubt, daß diese Kaffeehausanekdote mit dem "Felix Krull", selbst wenn er nicht vor einem halben Jahrhundert konzipiert wäre, etwas zu schaffen hat, der möge Kafka eine hohe Schadenersatzsumme zahlen.

In diesem Bändchen gibt es auch eine Geschichte von einem jungen Mann namens F. K., der mit Franz Kafka – dieser wieder ist mit Hans Kafka und auch John Kafka noch nicht identisch – nicht verwechselt werden darf, aber vielleicht verwechselt werden soll, denn es geht auf eine (Franz) Kafkasche Weise um Gott und die Welt darin zu, es trieft nur so von Symbolik, mit leichter Hand hingestreut, bis man vor lauter geplaudertem Tiefsinn nicht mehr weiß, ob Franz, Hans oder John, und nur das dunkle Gefühl hat, daß die Geschichte ein Mist ist.