Eine von 10 auf 12 v. H. erhöhte Dividende, ein Auftragspolster von über 1,1 Mrd. DM (per 1. 12. 58), eine stark verflüssigte Bilanz, fortschreitende innere Stärkung des Unternehmens, sowie Beendigung des Wiederaufbaus und somit Nachlassen der Investitionstätigkeit sind die wesentlichsten Punkte, die dem Geschäftsjahr 1957/58 (30. 6.) der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) das Gesicht geben. Trotz gedrückter Verkaufspreise, Verteuerung einzelner Rohstoffe, tariflicher Lohn- und Gehaltssteigerungen und erhöhten gesetzlichen Sozialleistungen blieb die Ertragskraft der MAN voll erhalten. So stieg der Umsatz auf 694 (664) Mill. DM, wobei 417 (406) Mill. auf das Inlands- und 277 (258) Mill. auf das Auslandsgeschäft entfallen. Obwohl vermehrte Umsätze und geringere Auftragszugänge in letzter Zeit zu einem Abbau des Auftragsbestandes führten, erreichte er mit 1054 Mill. und per 1. 12. 1958 mit über 1100 Mill. DM eine noch nie erreichte Höhe. Damit ist eine angemessene Beschäftigung für das ganze Kalenderjahr 1959 gesichert. Die Aufträge der Investitionsgüterindustrie haben allerdings nachgelassen, doch zehrt man hier noch von alten Aufträgen. Die Flaute in der Seeschiffahrt beeinträchtigt das Dieselmotorgeschäft, doch wird auch hier der allgemeine Auftragsbestand als gut bezeichnet. Insgesamt macht sich eine Verschiebung zum Großanlagengeschäft bemerkbar.

Die Ausfuhr ist am Auftragsbestand mit 640 Mill. (58 v. H.) beteiligt; sie blieb also gegenüber dem Vorjahr fast unverändert. Die Exportumsätze lagen in den ersten Monaten des laufenden Jahres um rd. 3 v. H. über dem Durchschnitt 1957/58. Die seinerzeitigen DM-Aufwertungsgespräche und die Suezkrise führten im Herbst 1957 zu einer Anzahlungsschwemme; die Exportauftragseingänge schwollen im Vorjahr auf weit über 500 Mill. an Im Berichtsjahr haben sie sich mit rd. 300 Mill. wieder etwa auf der Höhe der Vorjahre eingespielt. Die MAN weist auf die Devisenschwierigkeiten einiger Absatzländer hin und betont, daß man mit Zahlungszielen von 10–12 Jahren, wie sie mehr und mehr verlangt würden, nicht konkurrieren könne. Insgesamt macht sich im Exportgeschäft eine Verlagerung nach Afrika und Asien bemerkbar. Gleichwohl errechnet man sich für den Europamarkt gute Chancen. Im Großanlagengeschäft werden die Ostblockstaaten noch nicht als Konkurrenz empfunden.

Bei der starken Exportintensität wurden einzelne konjunkturelle Rückschläge durch die Breite des Erzeugungsprogramms gemildert. Die unbefriedigende Lage bei Lastkraftwagen glichen Erfolge in anderen Branchen aus. Nachdem man sich im LKW-Bau nun auf die neuen Typen eingestellt hat, gelang immerhin eine weitere Erhöhung des Marktanteils und des Umsatzes.

Im Omnibusbau stimmt man sich mit der Krauss Maffei AG, München, ab. Im Reaktorbau ist man an dem Karlsruher Auftrag und dem RWE-Reaktor in Essen beteiligt. Große Charcen werden dem Strahltriebwerkbau eingeräumt. Die mit einem Stammkapital von 500 000 DM gegründete MAN Turbo Motoren GmbH, Münden, arbeitet mit Rolls Royce in England zusammen. Abgesehen von dem Augsburger Werk ist die Beseitigung der Kriegsschäden und der Wiederaufbau abgeschlossen. Der für den Ausbau der Werke München und Hamburg im Vorjahr erhöhte Investitionsbedarf ist nun von 52,6 Mill. auf 24,4 Mill. bei 31,4 Mill. bzw. 29,9 Mill. Abschreibungen zurückgegangen. In Zukunft will man eine Investitionsquote in Höhe der Abschreibungen anstreben. Die weiteren Investitionen sollen der Rationalisierung und Modernisierung, nicht aber der Kapazitätsausweitung dienen. Die gestärkten Dispositionsreserven lassen die MAN von der Auflegung der zweiten Tranche der Anleihe von 1957 – von den genehmigten 50 Mill. waren erst 30 aufgelegt worden – absehen.

In der Bilanz haben sich Anlagen und Beteiligungen mit 175,1 (176,1) Mill. kaum verändert. Der Zugang bei Beteiligungen betrifft fast nur die Gründung einer argentinischen Tochtergesellschaft, der Abgang die Motorenwerke Hamburg GmbH, deren Vermögen im Weg der verschmelzenden Umwandlung auf die MAN übergegangen ist. Im Umlaufvermögen haben sich im Zuge des zunehmenden Großanlagengeschäftes die Vorräte kräftig auf 416,6 (367,8) Mill. erhöht.

Auf der Passivseite hat sich das Aktienkapital um 12,99 Mill. durch die restliche Wandlung der Teilschuldverschreibungen 1952 in stimmrechtslose Vorzugsaktien auf 75 (62,01) Mill. erhöht. Auf der Hauptversammlung ist wegen der Vorstands- und Aufsichtsrat-Bezüge – sie werden einschl. Unterstützung an frühere Vorstandsmitglieder und deren Hinterbliebene mit 3,3 Mill. DM ausgewiesen – Opposition angekündigt. Die MAN, die per 30. 6. 58 knapp 30 000 Mann beschäftigte, rechnet auch für das laufende Jahr mit ausreichender Beschäftigung und einem befriedigenden Ergebnis. t. r.