Die D-Mark ist voll konvertibel. In der Bundesrepublik sind die konvertierbaren und beschränkt konvertierbaren D-Mark-Konten zu einheitlichen Auslands-D-Mark-Konten zusammengefaßt worden. Es gibt keine zwei Zahlungsräume mehr, sondern nur noch einen. Damit hat die EZU aufgehört zu bestehen. An ihre Stelle tritt automatisch das Europäische Währungsabkommen (EWA) vom August 1955, dessen Spielregeln also auch die Bundesrepublik unterliegt.

Das EWA verlangt, daß jedes Land die Parität seiner Währungen gegenüber Gold, Dollar oder auch gegenüber einer anderen Währung festgesetzt und gleichzeitig angibt, zwischen welchen Interventionspunkten Schwankungen zugelassen werden. Die Bundesrepublik hat die Schwankungsbreite sehr eng bemessen. Die Interventionspunkte der D-Mark liegen bei 4,17 bzw. 4,23 DM für den Dollar.

Wie sich die anderen Partner des EWA verhalten werden, muß abgewartet werden. Es besteht in einzelnen Ländern eine gewisse Neigung zu breiteren Bändern. Ihr aber kann nicht ohne weiteres nachgegeben werden, denn schließlich haben die Vertragspartner die Absicht bekundet, die Grenzen, über die hinaus sie die Kurse nicht schwanken lassen wollen, eng und stabil zu halten. Das EWA verlangt also von allen seinen Partnern eine harte Währungspolitik. Da sie nicht immer leicht durchzuführen ist, lastet auf der Zukunft ein gewisses Risiko, vor allem bei solchen Ländern, die sich bisher den Versuchungen der Inflation nur wenig zu verschließen vermochten und deshalb einen guten Teil ihrer Währungsreserven einbüßten.

Bei der Bundesrepublik gibt es solche Befürchtungen nicht. Sie hat bereits seit längerer Zeit eine umfassende Inländerkonvertibilität geschaffen. Die volle Konvertibilität ist daher für Westdeutschland eine Frucht, die schon lange zum Pflücken reif ist. Sie konnte bisher nicht geerntet werden, weil die Voraussetzungen für die Auflösung der EZU nicht gegeben waren. Nun ist ihre Zeit abgelaufen und die Schlußabrechnung muß erfolgen. Die Regeln, nach denen dies zu geschehen hat, sind im EZU-Abkommen festgelegt. Sie sehen im wesentlichen vor, daß die multilateralen Positionen in bilaterale umgewandelt werden. Sie lauten dann nicht mehr auf Rechnungseinheiten, sondern auf Währung des Kreditgebers. Die Bundesrepublik erhält also DM-Forderungen. Sie werden, wenn nichts anderes vereinbart wird, verzinst und innerhalb dreier Jahre in Monatsraten getilgt. Solange sich diese Vertragskonstruktionen als haltbar erweisen, ist also nicht zu befürchten, daß die auch hier geltenden Spielregeln einer gesunden Währungspolitik aufgegeben werden und daß aus kurzfristigen Mitteln langfristige und sogar ewige Forderungen werden. An einer solchen Entwicklung kann kein europäisches Land interessiert sein. W. Ringleb