r. g., Stuttgart

Jeden Abend, den das Ladenschlußgesetz dem Automaten an der Ecke werden läßt, erwacht das Abgründige in mir.

Der Mann von der Wach- und Schließgesellschaft, der um diese Zeit Patrouille macht, müßte eigentlich einen Automatenschreck in mir erkennen, aber mangels psychologischer Ausbildung sieht er nur, wie ich ein Markstück in den Automaten werfe. Das Markstück ist ein solches und auch nicht präpariert – das Abgründige ist ja viel abgründiger, als sich die Schulweisheit der Wachmänner träumen läßt.

Der brave Mann mit dem klirrenden Schlüsselbund sieht vielleicht noch, wie ich an dem metallenen Schub ziehe, nachdem ihn das Geldstück entriegelt hat, sieht, wie ich meine Zigarettenpackung herausnehme. Mehr ist noch nie an meinem abendlichen Gang zum Zigarettenautomaten beobachtet worden.

Aber es geschieht noch etwas, und ich verrate es jetzt, um mich von quälender Gewissensnot zu befreien. Der erschütterte Leser wird in diesen Zeilen die Beichte einer von dunklem Drang zum Licht der Selbstbedienungsmoral erfüllten, auf Abwegen irrenden Seele erkennen.

Und also gesteh’ ich’s: daß ich mich nicht damit begnüge, die Schublade zwecks besseren Gebrauchs für den nächsten Mark-Werfer wieder hineinzustoßen. Nein, ich versuche sie ein zweites Mal herauszuziehen, in der frevelhaften Erwartung, daß diesesmal, ohne daß ein Markstück sie entriegelt hat, die Schublade nachgebe und eine zweite Zigarettenpackung offeriere ...

Wie wohl das tut, mit diesem Geständnis eine Last abfallen zu fühlen!