Jeder Engländer ist ein Durchschnittsengländer“ – ein gescheiter Ausspruch, der entschlüsselt,wieso die Engländer gleichzeitig als total verrückt und ungemein korrekt gelten können: Die Verrücktheit verteilt sich so schön gleichmäßig auf alle, daß sie nicht auffällt. Und nicht nur sie, auch die anderen Eigenschaften verteilen sich so, die löblichen und die weniger erfreulichen: die Kunst der Unverbindlichkeit und des Verschiebens auf übermorgen; die Gabe für geglättete Formulierungen, mit denen man sich bis zum Nimmerleinstag tröstet, daß demnächst etwas getan wird – und damit wären wir auch schon bei der Bürokratie.

Über sie regt man sich in England bedeutend weniger auf als anderswo, nicht weil sie dort seltener ist, im Gegenteil, aber der bürokratische Geist ist eben auch gleichmäßig verteilt, sogar unter den Leidtragenden. Vielleicht waltet ein Gesetz über dem Übermut der Ämter, der schon Hamlet verdroß, und über unserer Abhängigkeit von den Kreaturen, die wir machten – vielleicht sogar das Parkinsonsche Gesetz.

Diese Bezeichnung, der Naturwissenschaft spöttisch nachgebildet, ist nun seit Jahr und Tag in aller Angelsachsen Munde und wird auch der deutschen Zunge schon geläufig. Sie entstand durch das Buch

C. Northcote Parkinson: „Parkinsons Gesetz und andere Untersuchungen über die Verwaltung“; deutsch von Richard Kaufmann; Econ Verlag, Düsseldorf, und Schuler Verlagsgesellschaft, Stuttgart; 160 S., 9,80 DM.

Der Eindruck scheint verbreitet zu sein, daß es sich dabei um ein amerikanisches Erzeugnis handelt. Falsch, denn: Professor Parkinson ist geborener Engländer, war britischer Staatsbeamter (Marineministerium), lehrt an einer britischen Universität (Singapur), und sein Buch bezieht sich ganz auf englische Zustände. Um so bedauerlicher, daß der deutschen Ausgabe die kurz vor der englischen erschienene amerikanische Edition zugrunde liegt, denn nun lautet auf Dollar, was Pfund zu sein hätte – „eine Million“ ist in England dreimal soviel wie in den USA – und bei Firmentiteln und Eigennamen kennt man sich kaum noch aus in dem Durcheinander von amerikanischer Währung, deutschenNamen und englischen Verhältnissen.

Das Parkinsonsche Gesetz des modernen Verwaltungswesens besagt: Arbeit dehnt sich aus, um die für sie bestimmte Zeit auszufüllen. Woraus weiter folgt, daß zwischen der zu erledigenden Arbeit und der Zahl des Personals dafür kein kausaler Zusammenhang besteht.

Hinzu kommen zwei Axiome: 1. Jeder Beamte sucht die Zahl seiner Untergebenen, aber nicht die der Gleichgestellten, zu vermehren. 2. Beamte schaffen sich gegenseitig Arbeit. Vorhandene Arbeit wird aufgeteilt, so daß der Vorsitzende künftig zwei Untergebene statt des einen hat – was im Laufe der Zeit eine Kettenreaktion auslösen kann, und so entsteht, was sich durch unser aller Leben schlängelt: der Dienstweg.