Der Wettbewerb wird härter – Geschützte Grenzbetriebe werden ausscheiden müssen

Von Siegfried Schmidt

Die europäische Wirtschaftsgemeinschaft stellt am 1. Januar 1959 die deutsche Landwirtschaft vor neue Gegebenheiten. Wenn auch die Ziele der gemeinsamen Agrarpolitik, wie sie im Artikel 39 des EWG-Vertrages gesetzt sind, mit den bisherigen agrarpolitischen Zielen der Bundesrepublik fast identisch sind, so wird doch nicht zu vermeiden sein, daß sich der vergrößerte Wirtschaftsraum und die verstärkte Konkurrenz auf die deutsche Landwirtschaft schwerwiegend auswirken werden. Die schon jetzt bestehenden Probleme werden sich voraussichtlich in jeder Hinsicht verschärfen. Die internationale Arbeitsteilung in dem vergrößerten Wirtschaftsraum wird zwangsläufig zu Verlagerungen und Standortverschiebungen führen, die für zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe Härten mit sich bringen werden.

Die Bundesrepublik erzeugt zur Zeit etwa drei Viertel ihres Nahrungsmittel Verbrauchs auf eigenem Grund und Boden. Bei einzelnen Erzeugnissen – wie Spätkartoffeln, Roggen, Milch und annähernd bei Schweinefleisch – wird der inländische Nahrungsbedarf sogar voll aus der eigenen Produktion gedeckt. Andere Nahrungsmittel dagegen werden noch immer in erheblichen Mengen importiert, so Zucker, Fleisch, Butter und Schlachtfette (je ein Zehntel des Verbrauchs) Rindfleisch (ein Sechstel), Obst und Gemüse (ein Fünftel) und Getreide, hauptsächlich Weizen und Futtergetreide (ein Viertel des Verbrauchs). Bei anderen Nahrungsmitteln, wie Eiern und Käse, stellt sich die Bedarfslücke noch auf etwa 40 v. H.

Die Eigenerzeugung innerhalb des Gemeinsamen Marktes liegt viel höher als in der Bundesrepublik; sie liegt für Brotgetreide bei über 90 v. H. und stellt für Fleisch und Eier sogar, annähernd die Deckung des Bedarfs sicher. Bei so wichtigen Produkten wie Kartoffeln, Zucker, Gemüse, Schweinefleisch, Butter und Käse liegt sogar eine Überproduktion vor, d. h. ein Teil der Produktion muß exportiert werden. Es liegt auf der Hand, daß der Druck der Konkurrenz und damit der Preisdruck gerade in diesen Bereichen die deutsche landwirtschaftliche Erzeugung schwer treffen wird.

Schärfere Preiskonkurrenz

Zu berücksichtigen ist ferner, daß die Landwirtschaft der Partner in der EWG noch über ganz erhebliche Produktionsreserven verfügt. Dies gilt insbesondere für Getreide und hier wiederum vorzugsweise für Weizen. Dazu kommt, daß die besseren klimatischen Verhältnisse und die teilweise ertragreicheren Böden in den Partnerländern eine sehr viel billigere Weizenproduktion ermöglichen als in der Bundesrepublik.