Wie ein Drama sich zuweilen der kritischen Rangbestimmung entzieht, das lehrte die Wiederbegegnung mit Gerhart Hauptmanns Iphigenie in Delphi“. In ähnlicher Weise war in den ersten Kriegsjahren auch Max Mells Nibelungen-Dramatisierung zu dem Ruf gelangt: Dieses Werk wird als Dichtung bestehen.

Doch nach Kriegsende hatten Mell und der späte Hauptmann – keinen Bestand mehr. Als die Zeit nicht mehr „mitdichtete“ und nur noch der geschriebene Text galt, wurde die Kluft zwischen dem Gegenstand und der Sprache sichtbar.

Fast tragisch ist in dieser Hinsicht das Schriftstellerschicksal Hans Rehbergs. Sein jüngstes Drama „Kleist“ wurde soeben vom Staatstheater in Oldenburg uraufgeführt. Mit seinen fünf Preußendramen, die in Berlin von Gründgens, Hilpert und Fehling mit einer riskanten Regelmäßigkeit herausgebracht wurden, errang Rehberg Dichterruhm, weil seine Schau im Dritten Reich von der offiziellen Preußen-Legende abwich.

Was er in den vaterländischen Königen an Menschlich-Allzumenschlichem, Skurrilem, ja Dämonischem aufriß, war für das Regime gerade noch „tragbar“, weil Rehbergs historisches Pandämonium in einer Reichsidee verankert war. Jedesmal bröckelte aber schon damals etwas von Rehbergs Ruf ab, wenn er historische Gestalten als Menschen vollständig erschaffen mußte.

Bei seinem „Kleist“ entstehen hilfreiche Assoziationen im Parkett. Berlin, Wannsee, Frankfurt an der Oder, Breslau ... Aber was wird bleiben, wenn die Zeit nicht mehr „mitdichtet“?

Um eine politische Konzeption freilich geht es Rehberg heute nicht mehr. Er setzt mit der Abhandlung von Kleists letzten Tagen seine Bemühungen um das Charakterdrama, besonders um das Schicksal des Genies in der eigenen Zeit fort. Ein Anflug von politischer Tragik taucht auf, wenn Kleists Lebenswille sich an die letzte Hoffnung klammert, daß zwischen Preußen und Frankreich Krieg entsteht. Dann bekäme der Dichter eine Existenz als Adjutant oder Kompaniechef... Jac