Von Volkmar v. Zühlsdorff

in gedämpftes Summen vieler Apparate empfängt uns, als wir in den abgedunkelten Kontrollraum im Befehlszentrum der Flugbasis des Strategischen Bomberkommandos in Westover, Massachusetts, eintreten. Es ist 9 Uhr 35 in der Frühe eines grauen Dezembertages. Fast unbeweglich sitzen die Nachrichtenleute vor ihren Geräten. Eine große, gläserne Karte, auf der man den „Luftraum“ mit einem Blick überschaut, füllt eine ganze Wand; dahinter steht schattenhaft ein Soldat, der mit Schwamm und schwarzer Kreide auf die Angabe zu Eintragungen wartet.

In der Mitte des Raumes, auf einer Bühne, befindet sich hier wie in jedem Kontrollraum der vielen strategischen Basen – 32 sind es zur Zeit in den Vereinigten Staaten, 27 in der übrigen Welt von der Arktis bis nach Japan – das berühmte „rote Telephon“ für dringlichen Alarm.

„Nichts Besonderes“, sagt der ranghöchste Offizier, als er dem Stellvertretenden Kommandanten der Basis und Kommandeur des 99ten Bombergeschwaders, Oberst O. F. Lassiter, dessen Gäste wir sind, Meldung macht. Auf dem Radarschirm vor ihm malt der kreisende, grünliche Zeiger unermüdlich das Profil der umliegenden Landschaft. Einige helle Flecke, die sich fortbewegen, zeigen Flugzeuge an. „Hier die drei Düsenbomber B-52“, erklärt der Offizier, „die wir aus Alaska...“

Mitten im Satz bricht er ab. Eine harte Stimme, die uns zusammenfahren läßt, kommt über den Kurzwellen-Sprechfunk: Come in, Westover, come in, Westover! Im Augenblick wird der Raum lebendig. Schon hat der Funker Rückmeldung gegeben, und während er die Kodeworte notiert, entschlüsselt sie unser Offizier bereits, und, noch ehe wir bei der Tür sind, ruft er dem Kommandeur nicht ohne Stolz zu: „Siebzehn Sekunden bis Klar-Text!“

Draußen empfangen uns Alarmsignale, und auf der Fahrt zum Flugfeld treffen wir die Sonderwagen der Piloten und Besatzungen mit den grellroten Blinklichtern – aus allen Richtungen kommen sie, von den Quartieren, aus dem Club, vom Friseur. Denn während die Crew alarmbereit ist, je zweiundsiebzig Stunden lang, darf sie sich keinen Augenblick trennen und hat den Wagen immer bei sich, dazu Flugpapiere und die Karten mit dem strategischen Ziel, das jedem Team für den Ernstfall zugeteilt ist...

Die ersten Besatzungen eilen im Laufschritt zu ihren Maschinen. Die Wartungstrupps sind zur Stelle und legen Hand an. Nach kurzer Zeit schließen sich die Luken, und fauchend springen die Düsenmotore an. Als wir die letzte Staffel erreichen, ist die Übung bereits zu Ende. Es war nur ein „Bravo-Alarm“, eine Routinebereitschaft, aber die Mannschaften wissen es vorher nie, und die Erregung ist die gleiche. Genauso würde es eines Tages sein, hier und auf allen Flugplätzen der westlichen Verteidigung, sollten feindliche Geschwader die weltweite Radarkette durchbrechen! Ein Glück, daß die Sowjets das ebenfalls wissen...