Während zwanzigjähriger Ehe war Josef ein sparsamer und solider Hausherr, der Stück für Stück für den Haushalt angeschafft hatte. Mit dem Eintritt der zwanzigjährigen Susanne in sein bis dahin sonniges Familienleben fielen immer dunkler werdende Schatten auf das häusliche Glück und sein väterliches Gemüt.

Erst veräußerte er einen Teil der Tischwäsche – die er nunmehr für zu reichlich hielt; dann trennte er sich und seine Familie vom Tafelsilber – das ihm jetzt unzeitgemäß erschien; schließlich teilte er der vielseitig bedürftigen Susanne auch noch Erbstücke zu, weil diese ja „doch bloß im Kasten vermoderten“.

So hörte man die Geschichte vor dem Strafrichter, vor dem der einst so keusche Josef sich deswegen verantworten mußte. Als Angeklagter war Josef aber durchaus fidel und selbstbewußt, da er sich keiner Schuld, geschweige denn einer strafbaren Handlung bewußt war.

„Was ich verschenkt habe, ist alles mein höchstpersönliches Eigentum, mit dem ich schließlich machen kann, was ich will“, erklärte Josef. Der Richter schüttelte jedoch kummergewohnt den Kopf und fragte den Angeklagten, ob er schon einmal etwas von sogenannter Familienhabe oder vom Hausrat der Familie gehört habe. Diese Gegenstände seien rechtlich gebunden. Das bedeute, daß auch der Eigentümer damit nicht willkürlich verfahren könne. Vielmehr werde dieser Familienbesitz gesetzlich geschützt, und zwar durch den zwar wenig bekannten, aber doch häufig angewendeten § 170a des Strafgesetzbuches.

Danach wird ein. Ehegatte, der Familienhabe böswillig oder aus grobem Eigennutz veräußert, zerstört oder beiseite schafft und dadurch den anderen Ehegatten oder einen unterhaltsberechtigten Abkömmling schädigt, mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Dabei ist schon der Versuch strafbar.

Zur Familienhabe gehört nun aber alles, was dem Gebrauch der Familie dient. Dabei ist es (im Gegensatz zum bürgerlichen Recht) völlig gleichgültig, ob die einzelnen Gegenstände im Eigentum des Mannes, der Frau oder der Kinder stehen. Eine widerrechtliche Verletzung des Schutzes der Familienhabe liegt nach einmütiger Rechtsprechung sogar schon dann vor, wenn der Familie die bisher gewohnte Mitbenutzung entzogen wird. Daran ändert sich auch nichts, wenn Ehegatten in Gütertrennung leben.

Nach dem neuen Familienrecht wird der Hausrat auch zivilrechtlich noch geschützt. Im neuen gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft bleiben die Ehepartner zwar Eigentümer ihrer persönlichen Sachen, dürfen – aber über Hausrat nur gemeinsam verfügen. Wenn ein Eheteil trotzdem eigenmächtig gegen den Willen seines Ehegatten Gegenstände der Familienhabe weggibt, so ist dieser Vorgang rechtlich unzulässig. Ein Dritter kann an Gegenständen des Hausrats nicht einmal gutgläubig Eigentum erwerben. Das bedeutet, daß der Erwerber von Hausratsgegenständen sich nicht darauf berufen kann, er habe überhaupt nicht geahnt, daß der Veräußerer die Sachen unzulässig weggegeben habe. Wenn der geschädigte Ehepartner Rückgabe der Sachen verlangt, muß der Erwerber sie zurückgeben und zusehen, wie er wieder zu dem Geld kommt, das er dafür ausgegeben hat.