Das deutsche Hotelgewerbe befindet sich in einer schwierigen Lage. Eine echte Wirtschaftlichkeit läßt sich nur noch im Rahmen eines großen Konzerns mit genügenden inneren Ausgleichsmöglichkeiten erreichen. Aber auch hier – das zeigen die soeben vorgelegten Bilanzen 1956 und 1957 der A. Steigenberger Hotelgesellschaft K. G. a. A. in Frankfurt/M. – verlangt die Finanzierung nicht nur eine virtuose Beherrschung der Materie, vor allem des Steuerrechtes, sondern auch den Mut, alteingefahrene Gleise zu verlassen. Steigenberger hatte ihn; er nutzte die Möglichkeiten der degressiven Abschreibungen und die Bewertungsfreiheit für kurzfristige Wirtschaftsgüter bis auf das Letzte aus, offensichtlich mit dem Ziele, ständig möglichst hohe, steuerlich unangreifbare Buchverluste auszuweisen. Die Gesellschaft erzielt sie durch die Übernahme günstig gelegener, aber auffrischungsbedürftiger Häuser. Sie erneuerte so vor kurzem das Grand-Hotel Axelmannstein (Bad Reichenhall) und jetzt den Duisburger Hof (Duisburg). Die hier in der Anlaufzeit anfallenden Buchverluste gleichen die offenbar nicht schlechten Gewinne in den alten Häusern, vor allem im Frankfurter Höf, aus. Das muß im Endergebnis zu erheblichen Steuereinsparungen führen.

An der Sanierung des Hotelgewerbes trägt so der Fiskus durch einen Steuerverzicht bei. Dies geschieht allerdings nicht aus selbstgewonnenen Erkenntnis, sondern es wird dies durch die Nutzung der Steuersystematik erzwungen. Die Benachteiligten in diesem Spiele waren bisher die nicht allzu zahlreichen freien Aktionäre; sie sahen trotz guter Geschäfte keine Ausschüttungen: Man bietet ihnen jetzt eine garantierte Dividende von 6 v. H. an.

Die eigentlichen Finanziers des Konzerns kommen auf andere Weise auf ihre Rechnung. Sie erhöhen nur in einem bescheidenen Umfange die eigenen Mittel (so wird jetzt ein genehmigtes Kapital von 1,9 Mill. DM beschlossen), geben dafür aber langfristige Darlehen, was steuerlich günstiger ist. Die Bilanz der Gesellschaft macht daher einen ungewöhnlichen Eindruck. Einem Anlagekapital von fast 20 Mill. DM (42 Mill. DM wurden seit der Währungsreform investiert) stehen eigene Mittel einschl. Rücklagen nur in Höhe von gut 5 Mill. DM gegenüber. – eb.