G., London, Ende Dezember

Früher als von der Londoner City erwartet, hat sich die britische Regierung nun also ermutigt oder veranlaßt gesehen, aus der bereits seit 1955 bestehenden de facfo-Ausländerkonvertierbarkeit in die formale oder de jure-Konvertibilität vorzurücken: den großen Banken ist am vergangenen Samstagnachmittag vom Noteninstitut kurz mitgeteilt worden, daß sie nunmehr ermächtigt seien, Überweisungen aus transferablen Konten auf Dollarkonten vorzunehmen.

Der grundsätzliche Entschluß zu dieser Verschmelzung des transferablen Pfundes mit dem American account-Pfunde dürfte freilich schon vor längerer Zeit gefaßt worden sein. Zudem waren sich die in- und ausländischen Divisen-Operateure bereits seit längerem der Tatsache bewußt, daß angesichts der ausgezeichneten Verfassung von Zahlungsbilanz und Goldreserve sowie angesichts der nun nahezu erreichten internen Preisstabilität und des kürzlich in Neudelhi vereinbarten Ausbaues von Weltwährungsfonds und Weltbank die ganze Operation auf das Maß einer nur noch technischen Bereinigung reduziert worden, war.

Nichtsdestoweniger war die Zusammenfassung der beiden ohnehin – wenngleich zu leicht unterschiedlichen Kursen – praktisch voll konvertiblen Sterlingsorten von den meisten hiesigen Beobachtern erst zum Frühjahr erwartet worden. Denn nicht nur die Schweiz hatte sich vor kurzem zum einstweiligen Verbleib in der EZU entschlossen; so mußte die britische Regierung wohl um so mehr darauf bedacht sein, alles zu unterlassen, was irgendwie den Eindruck hätte wecken können, England suche die EWG auch von dieser Seite zu sabotieren. Zugleich war weithin in hiesigen Finanzkreisen auch der Eindruck entstanden, der Kanzler werde sich den Vorstoß in die Konvertibilität für den wahrscheinlich ja schon in Kürze beginnenden Wahlkampf und also für einen Zeitpunkt reservieren, in dem er diese Aktion dem heimischen Publikum politisch wirkungsvoll als die Krönung unablässigen Bemühens um die volle Rehabilitierung des Sterling als Weltwährung würde präsentieren können. Daß nun alles anders gekommen ist, ist wohl allein der französischen Abwertung und dem aus ihr weithin in Westeuropa entstandenen Wunsche zuzuschreiben, sie zum Anlaß einer generellen Reform und Konvertierbarkeitsoffensive zu machen.

Wenn auch die britische Initiative in sich selbst von nur sehr beschränkter kommerzieller Bedeutung ist, so wird sie den Status des Pfundes insofern verbessern, als es psychologisch immer nachteilig ist, wenn eine Währung mit wesentlichen Teilen unter dem offiziellen Kurs gehandelt wird. Gleichzeitig dürfte sie einen guten Teil des bisher über Zürich und New York abgewickelten Pfundgeschäftes auf die Londoner City lenken und den hiesigen Währungsbehörden damit auch die Überwachung und Regulierung des Sterlingmarktes erleichtern.