Von Martin Beheim-Schwarzbach

Ei der Daus, ist das aber ein toller Tanz! Er spielt in New York im Jahre 1952 und scheint im Original tschechisch geschrieben zu sein; unsere Übersetzung kommt aus dem Amerikanischen :

Egon Hostovsky: „Der Mitternachtspatient“ (The Midnight Patient); Paul Zsolnay Verlag, Wien; 277 S., 12,80 DM.

Kein Geringerer als Graham Greene, Master of Thrills, bescheinigt dem Buch, daß es einerseits ein präziser Thriller sei aus der Welt des Kalten Krieges, mit erregenden Szenen und einem abgründigen Humor, andererseits aber ein schönes und eigenwilliges Werk, das für Vertrauen eintritt in einer Welt, die von der Furcht vor dem Nachbarn beherrscht wird. Wir dürfen ein so wohlabgewogenes und knappgefaßtes Urteil eines bedeutenden Schriftstellers gern übernehmen, ohne uns jedoch versagen zu können, es zum noch Knapperen wie zum Ausführlicheren hin zu variieren.

Die knappste uns mögliche Beurteilung lautet, wie schon oben gesagt: Ei der Daus! Mit anderen Worten: Es ist starker Tobak, was dem Leser da an Durcheinander zugemutet wird. Zugegeben, es geht um eine vertrackte und verwickelte Angelegenheit, nämlich um die zwei großen Geheimdienstfronten zwischen den USA und der Sowjetunion, die sich unterirdisch so heillos ineinander verknäueln, daß die Beteiligten, wie der (immerhin darüberstehende) Autor andeutet, sich allesamt selber nicht mehr zurechtfinden.

Findet er sich zurecht, der Autor, und ist er dem Leser ein Wegweiser? Nein, klug wird der Leser nicht daraus, wer wem geheimdient, wer wen ausspioniert, abhorcht, umlegt, nasführt.

Nun gut, es ist Recht und Sitte in einem richtigen grausigen Kriminalroman, vier Fünftel des Buches hindurch Nebel und Zwielicht walten zu lassen. Warum also nicht hier? Der politische Hintergrund braucht nicht notwendig als seriöser angesehen zu werden als irgendein sonstwie krimineller; er verpflichtet zu nichts.