Von Carl Georg Heise

Jede Generation hat ihre eigenen Bedürfnisse nach einführenden Schriften in die öffentlichen Kunstsammlungen. Nachdem wir fast überreichlicher worden sind mit „Führern“, immer reichlicher Sachgebiete und kleinen Heften, die einzelne Sachgebiete oder sogar einzelne Werke gesondert behandeln, macht sich jetzt erneut der großen bemerkbar, den für die Großväterzeit die lehrte Stahlstich-Werke erfüllten; ohne viel gelehrte Erklärung eine Übersicht über die Hauptwerke zu gewinnen. Bilderbücher also und keine Lehrbücher.

Am opulentesten ist das bisher geleistet für die Alte Pinakothek in München: So teuer und umfangreich ist es wohl nur dort möglich, wo mit Absatz an internationales Reisepublikum gerechnet werden kann. Einen etwas einfacheren, aber vorbildlichen Typus hat der Peters-Verlag in Honnef geschaffen, ausgezeichnet vor allem durch ungewöhnlich große und gute, durchweg nur ganzseitige Klischees, darunter auch einige farbige.

„Meisterwerke deutscher Museen“; Düsseldorfer Galerie – Stuttgarter Staatsgalerie – Staatliche Kunsthalle Karlsruhe – Niedersächsische Landesgalerie Hannover – Hamburger Kunsthalle; Verlag Dr. Hans Peters, Honnef a. Rhein; 32,80 DM bis 45,– DM.

Sehr verständig hat man mit Museen mittlerer Größe begonnen, was zwei Vorteile hat: Man kann mit rund 100 Abbildungen den wesentlichen Bestand erfassen, und es wird auch weniger Bekanntes weiteren Kreisen zugänglich gemacht.

Für die einleitenden Texte hat man sich eine Aufgabe gestellt, die den Kunstfreund zunächst vielleicht nicht allzusehr ansprechen mag: Museumsgeschichte von der Gründung bis zur Gegenwart. Wer sich aber erst einmal eingelesen hat in dies bisher wenig bearbeitete Stoffgebiet, wird es bald merken, welch außerordentlich spannende Kapitel deutscher Kunstpflege und Kulturgeschichte hier erschlossen werden, namentlich wenn es sich um ursprünglich fürstliche Kunstkabinette mit ihren wechselnden Schicksalen handelt.

Einer der bisher bestgelungenen Bände ist der über die Karlsruher Galerie. Mit ihrem berühmten Grunewald beherbergt sie eine noch viel zuwenig bekannte Sammlung altdeutscher Gemälde, auch Perlen des 17. und 18. Jahrhunderts Rubens, Rembrandt, Chardin). Die badischen Meister des 19. Jahrhunderts, Anselm Feuerbach und Hans Thoma sind so gut vertreten wie nirgends sonst, und neuerdings ist auch eine im Aufbau begriffene moderne Abteilung hinzugekommen, unter anderem mit einem bemerkenswert schönen Franz Marc.