Die Primitivität, nicht der Fortschritt reizt Uns

Von Dieter E. Zimmer

Die Zahl der Übersetzungen aus fremden Literaturen beweist nicht nur, daß einheimische Autoren das Bedürfnis nach Lesestoff nicht immer zu stillen vermögen. Sie deutet zugleich auf die Stärke unseres Verlangens nach Exotik, nach einer weniger wässerigen Alltäglichkeit, nach einem stärkeren, ursprünglicheren Menschenschlag. Diesen stellt uns ein junger portugiesischer Arzt und Schriftsteller vor:

Fernando Namora: „Landarzt in Portugal“; aus dem Portugiesischen von Ursula von Wiese; Verlag der Arche, Zürich; 208 S., 11,80 DM.

In zwanzig flüchtigen Episoden beleuchtet er die Kämpfe eines jungen Arztes, der sich und die moderne Medizin gegen eine arme, verschlossene, abergläubische und argwöhnische Landbevölkerung durchzusetzen hat. Die Patienten stellen seinen lauteren Eifer wie seinen Stolz auf manche Probe und schlagen ihn, wenn ihm der Einbruch in ihre starre Front nicht gelingt, wohl auch in die Flucht.

Namora nennt sich selbst einen schlichten Mensche n, ein Kind der Erde“. Und so ist seine Denkweise von bäurischer Gesundheit und Einfachheit: Es kommt ihm darauf an, an das „Gute im Menschen“ zu glauben, sein Leben der Heilung menschlicher Gebrechen zu widmen – und dafür keinen Undank zu ernten.

Ebenso schlicht und ungekünstelt, ganz ohne jede Literatenpose, erzählt er: in der Ich-Form und selbst ohne seinen Namen zu ändern. Ihn, wie der Verlag es tut, einen „echten Dichter“ zu nennen, heißt jedoch seinen Rang verkennen.