Die Gespräche an den Wertpapierbörsen wurden in letzter Zeit wiederholt von zwei Themen beherrscht, die beide die NSU Werke AG, Neckarsulm, betreffen. Es ging dabei einmal um Gerüchte über Interessenkäufe in NSU-Aktien, die noch von Suchanzeigen in verschiedenen Tageszeitungen nach diesen Aktien gerährt wurden. Die NSU-Aktien erreichten daraufhin einen Kurswert, der durch die wirtschaftliche Lage des noch immer unter den Folgen der Zveiradkrise stehenden Unternehmens kaum als gerechtfertigt erscheinen kann. (Jetzt etwa 265 v. H.) Zum anderen bewegten den Börsenhandel Pressemeldungen, wonach NSU die Lizenz für den Bau eines Motors an ein großes Werk in den USA vergeben haben soll.

Zu beiden Themen nahm nun die Verwaltung der NSU in der Hauptversammlung Stellung, die über die Schaffung genehmigten Kapitals in Höhe von 9 Mill DM zu beschließen hätte. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Richter meinte, die Gerüchte über Interessenkäufe seien auch für die NSU Werke nur Gerüchte. Die Gesellschaft habe damit nichts zu tun, auch nicht mit den Anzeigen, von denen Dr. Richter sagte: „Wir glauben ziemlich sicher zu wissen, daß das Ganze ein Bluff war, und daß keine Interessengruppe dahintersteht.“ Auch die Präsenzliste der Hauptversammlung lasse nicht erkennen, daß Interessenkäufe stattgefunden hätten; denn ihre Zusammensetzung sei praktisch die gleiche wie in der HV im August. Die jetzt vorgeschlagene Kapitalerhöhung verfolge auch nicht den Zweck, mögliche Interessenkäufer abzuschrecken.

Von anderer Seite War zu hören, daß die Aktienbesitzer, die auf die Angebote in den Tageszeitungen geschrieben hatten, eine hektographierte abschlägige Antwort ohne Angabe des Absenders mit dem Bescheid erhalten hatten, man habe bereits so viele Verkaufsangebote, daß man keine weiteren berücksichtigen könne. Die Unterschrift war unleserlich, der Poststempel aus Düsseldorf.

Zu der Meldung über den Motorenbau sagte Vorstandsvorsitzer von Heydekampf, daß er ohne die Pressemeldungen nicht darüber gesprochen hätte, weil man erst die wirtschaftlichen Erfolge abwarten wollte. Man sei im Herbst zur gemeinsamen Forschung und Entwicklung die Zusammenarbeit mit einer amerikanischen Firma, deren Namen er nicht nannte, eingegangen. Ob daraus einmal ein fabrikationsreifes und konkurrenzfähiges Erzeugnis entstehen werde, könne man heute noch nicht sagen.

Zur wirtschaftlichen Entwicklung der Gesellschaft teilte Dr. von Heydekampf mit, daß im Zweiradgeschäft der Umsatz weiter zurückgegangen sei; bedingt auch durch Ausverkaufsaktionen im Zusammenhang mit der noch nicht abgeschlossenen Umschichtung innerhalb der Zweiradbranche. Der Umsatz im Zweiggeschäft liege aber noch gut über 100 Mill. DM; Durch das Kleinwagengeschäft sei jedoch dieser Umsatzrückgang mehr als ausgeglichen worden, so daß sich insgesamt für dieses Jahr eine leichte Umsatzsteigerung ergebe. Vor allem der Kleinwagenexport nach USA und Kanada habe sich sehr belebt. Das Geschäftsergebnis liegt zwar noch nicht vor, jedoch kündigte der Vorstand an, daß für dieses Jahr die gleiche Dividende wie für 1957 (8 v. H.) ausgeschüttet werden soll. Für 1959 wird eine weitere lebhafte Entwicklung des Automobilgeschäfts erwartet, vor allem auch im Zusammenhang mit der Produktionsaufnahme des Sportcoupé. Man rechnet mit einer merklichen Produktionssteigerung und einer besseren Ausnutzung der Produktionsanlagen. Man will aber an dem bisherigen Grundsatz festhalten und die Produktion stets nur der Absatzentwicklung anpassen. Aus diesem Grund wird auch die Beschlossene Kapitalerhöhung nicht im Ganzen, Sondern nur in Teilabschnitten erfolgen. C. D.