Die letzten Jahresabschlüsse der Schultheiss-Brauerei AG, Berlin, zeichneten sich bereits durch eine kerngesunde Struktur der Bilanz aus. Auf der Grundlage eines Wachstums, das oft beträchtlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen im Bundesgebiet lag, entstand fast der Eindruck, als würde jedes Objekt, das die Geschäftsleitung anpackte, zu Gold. Der Jahresabschluß für 1957/58 (30. September), über den Generaldirektor Hans Sixtus bereits in diesen Tagen unverbindlich berichtete (er ist vom Aufsichtsrat noch nicht festgestellt), mußte sich zwar mit einer Umsatzzunahme von 7 v. H. begnügen, während die Verwaltung einen Mehrumsatz von etwa 10 v. H. veranschlagt hatte. Damitit wurde aber zumindest der Fortschritt eingehalten, den die Brauereien in der Bundesrepublik, insbesondere in dem vom Wetter wenig begünstigten Norddeutschland, erzielt haben. Außerdem warnte Sixtus vor der Illusion, der in den letzten Jahren zu beobachtende Mehrverbrauch werde beliebig lange anhalten. Auch im Bierkonsum sei ein gewisser Sättigungsgrad wenn nicht schon erreicht, so doch abzusehen, und die deutschen Brauereien könnten vielleicht in einigen Jahren zufrieden sein, wenn sich ihre Absatzkurve halten werde. Sixtus nannte zwar noch keinen Zahlenwert für den Reingewinn des Jahres, bezeichnete ihn aber als „ganz nennenswert“. Er reicht immerhin aus, um auf das im Berichtsjahr von 25,0 auf 30,5 Mill. DM erhöhte Aktienkapital 13 v. H. statt der vorjährigen 11 v. H. Dividende auszuschütten.

Von dem gesamten Bierausstoß des Konzerns, der von 1,011 auf 1,118 Mill. hl gestiegen ist, entfielen auf die Schultheiss-Betriebe 809 000 (763 000) hl. Davon gingen aus dem gesamten Konzern 190 000 hl, von Schultheiss allein 130 000 hl in das Bundesgebiet und in den Export, Innerhalb des Konzerns ist der Flaschenbieranteil auf 52,5 v. H. im Berliner Stadtgeschäft auf 54,2 v. H gestiegen. Von dem Berliner Umsatz entfielen wieder 58,1 v. H. auf das Deutsche Pilsner. Im Zusammenhang mit der Berlin-Krise übrigens aufschlußreich, daß die Geschäftsleitung an ihren Investitionsvorhaben, vor allem am Neubau einer Mälzerei mit einem Aufwand von 4,5 Mill. DM, unbeirrt festhält und die Inbetriebnahme auf den 1. April 1959 angesetzt hat. Auch die westdeutschen Lieferanten der Ausrüstung für diesen Neubau und die Rohstofflieferanten haben sich von der politischen Unsicherheit nicht infizieren lassen und ihre Sendungen bis in die letzten Tage zu den vorgesehenen Terminen und den vereinbarten Konditionen auf den Weg geschickt – ohne Vorauszahlungen also und andere Sicherheitsgarantien“, mit denen sich andere Berliner Unternehmen zuweilen befassen mußten. Auch der Bierabsatz ist, begünstigt durch den Beginn der Bockbiersaison, weder in Berlin noch im auswärtigen Absatzgebiet rückläufig, so daß auch von dieser Seite her alle Anzeichen für ein weiter kerngesundes Unternehmen sprechen.

Diese innere Festigkeit und das gesunde stetige Wachstum kommt auch sehr deutlich in der Bilanz zum Ausdruck, wo das Anlagevermögen im Berichtsjahr von 24,8 Mill. DM nach 7,4 Mill. DM Zugängen, 0,4 Mill. DM Abgängen und 3,7 Mill. DM Abschreibungen auf 28,1 Mill. DM gestiegen ist. Das gesamte Volumen der Bilanz hat sich von 52,2 auf 59,7 Mill. DM erhöht. Das Beteiligungskonto, in dem u. a. die Majoritäten der Feldschlößchen-Brauerei AG, Minden (Westf.), der Dortmunder Bergmann-Brauerei GmbH, Dortmund, der Löwen-Brauerei-Böhmisches Brauhaus AG, Berlin, der Malzbierbrauerei Groterjan AG, Berlin und der Engelhardt-Brauerei AG, Berlin, geführt werden, ist durch den Neuerwerb geringer Restposten von Engelhardt und Groterjan nur um 0,1 auf 8,4 Mill. DM gestiegen. Dagegen haben sich im Umlaufvermögen die Warenvorräte mit einem Zugang von 2,1 auf 10,5 Mill. DM kräftig erhöht, weil die Umsätze nicht ganz die erwartete Höhe erreicht haben.

Die Zunahme der Warenforderungen von 8,9 auf 9,1 Mill. DM blieb weit hinter der Geschäftsausweitung zurück, wogegen die liquiden Mittel kräftig von 1,3 auf 3,1 Mill. DM zugenommen haben. Bei den Passiven sind außer dem erhöhten AK von 30,5 Mill. DM die entsprechend auf 3,05 Mill. DM erhöhten gesetzlichen Rücklagen, ferner Rückstellungen von 3,7 (3,3) Mill. DM und Rückstellungen für die Sozialeinrichtungen von 8,5 (8,3) Mill. DM enthalten. Die gesamten Warenschulden, die sich am Stichtag auf 0,4 (0,5) Mill. DM beliefen, sind inzwischen wieder abgebaut worden. Für noch nicht fällige Steuern wurden 2,3 (1,95) Mill. DM reserviert, von den ERP-Krediten besteht nur noch eine Restschuld von 0,9 (1,2) Mill. DM, und Bankkredite in der damaligen Höhe von 0,5 Mill. DM waren zum letzten Male für 1953/54 ausgewiesen! Zum ersten Male enthält die Bilanz einen besonderen Posten „Einlagen aus der Kundschaft“ in Höhe von 4,2 Mill. DM, wodurch sich im wesentlichen die sonstigen Verbindlichkeiten auf 1,5 (4,8) Mill. DM ermäßigt haben. Die HV findet voraussichtlich wieder Ende Januar statt. gns.